Ducati Superleggera V4 Centenario: Carbon, 247 PS, 500 Stück
Carbon-Bremsen, 173 kg, 500 nummerierte Stück – Ducatis 100-Jahres-Geschenk
Zum 100. Geburtstag baut Ducati mit der Superleggera V4 Centenario das extremste straßenzugelassene Motorrad aller Zeiten — in 500 nummerierten Exemplaren. Ein Sammlerstück aus Carbon und Titan.
Manche Motorräder werden gebaut, um gefahren zu werden. Andere werden gebaut, weil es sie geben muss. Die neue Ducati Superleggera V4 Centenario gehört zur zweiten Gruppe. Ein Sammlerstück, ein Statement, ein Traum aus Carbon und Titan — gefeiert zum 100. Geburtstag der Marke aus Borgo Panigale.
Eine Tradition aus Träumen
Ducati nennt sie Superleggera, die Super-Leichten — und meint damit eine eigene Familie. Sie kommen nur dann, wenn die Ingenieure aus Bologna bewusst die Türen aufmachen: keine Kompromisse, keine Vorgaben, kein Marketing-Pflichtenheft. Es geht um das eine Motorrad, von dem Enthusiasten träumen.
Die Reihe begann 2013 mit der 1199 Superleggera — dem ersten Serien-Motorrad mit Rahmen, Schwinge und Rädern aus Magnesiumlegierung. 2016 folgte die 1299 Superleggera, das erste Serien-Motorrad mit einem Fahrwerk aus Carbon. 2020 dann die Panigale V4 Superleggera, die Aerodynamik auf die Spitze trieb. Und jetzt, im Hundert-Jahres-Jubiläumsjahr: die Centenario.
Das Ding mit den Zahlen
Manchmal wird Technik so absurd, dass man sie nur noch staunend anschaut.
- 228 PS auf der Straße. 247 PS mit Racing-Auspuff.
- 173 kg fahrfertig ohne Sprit. Mit Racing-Kit: 167 kg.
- Leistungsgewicht: 1,48 PS/kg — ein Wert, den noch nie ein straßenzugelassenes Serienmotorrad erreicht hat.
Der Desmosedici Stradale R 1100 — extra für dieses eine Projekt entwickelt — leistet das mit einer von Hand eingestellten desmodromischen Ventilsteuerung. Auf einer kleinen Plakette steht der Name des Technikers, der die Ventile justiert hat. Auf jedem einzelnen der 500 Exemplare. Wer baut so etwas, außer Ducati?
Weltpremieren am laufenden Band
Die Centenario ist das weltweit erste straßenzugelassene Motorrad mit Carbon-Keramik-Bremsscheiben. Brembo entwickelte sie speziell — 450 Gramm leichter pro Scheibe als Stahl, 40 % weniger Trägheitsmoment, gleiche Bremsleistung.
Es ist außerdem das weltweit erste Serien-Motorrad mit einer Federgabel mit Carbon-Standrohren. Öhlins liefert die NPX 25/30 in Unidirektional-Carbon — acht bis zehn Prozent leichter als bei einer normalen Panigale V4, mit spürbar schnelleren Richtungswechseln.
Rahmen aus Carbon: 17 % leichter als Aluminium. Schwinge aus Carbon: 21 % leichter. Räder aus Carbon. Heckrahmen aus Carbon. Die Verkleidung bleibt teilweise unlackiert, um das Material zu zeigen. Jede einzelne Carbon-Komponente wird mit Verfahren aus der Luft- und Raumfahrt auf Mikro-Fehler geprüft.
Rosso Centenario
Die Lackierung trägt einen eigenen Namen: Rosso Centenario. Ein mattes, dunkles Rot, das an die Wurzeln erinnert — an die Ducati 60 von 1949, das erste Motorrad der Marke, und an die Gran Sport „Marianna" von 1955, das erste Rennmotorrad von Ingenieur Fabio Taglioni. Dieselbe Farbe schmückt 2026 die Werks-Desmosedicis des Lenovo-Teams in der MotoGP. Wer eine Centenario besitzt, fährt also dieselbe Farbe wie Pecco und Marc.
Wem das nicht genug ist: 100 weitere Exemplare gibt es als Centenario Tricolore — eine Hommage an die 750 F1 Endurance Racing der 1980er, das letzte „klassische" Zweiventil-Rennmodell der Marke. Italienische Trikolore in moderner Interpretation.
Die Box, die Plakette, der Schlüssel
Eigentlich wird sie nicht gekauft. Eigentlich wird sie aufbewahrt. Jede Centenario kommt in einer eigens entworfenen Holzkiste. Mit Echtheitszertifikat, maßgeschneiderter Abdeckung, Garagenmatte und Montageständern. Auf der oberen Gabelbrücke ist die individuelle Nummer (XXX/500) per Laser eingraviert. Sie erscheint auch im Cockpit-Display beim Start. Sogar der Zündschlüssel trägt sie auf einem Titan-Einsatz.
Wer will, kann das passende Outfit dazu bestellen: Helm, Lederjacke und Anzug in Rosso Centenario. Und 26 Besitzer dürfen am 6. und 7. Juli 2026 — direkt nach der World Ducati Week — die Performance ihres Motorrads auf einer Rennstrecke ausprobieren, gekrönt von einer Runde auf der echten Desmosedici GP26.
Fazit
Mein Eindruck: Die Centenario ist kein Motorrad, sondern ein Manifest. Sie wird vermutlich nie wirklich gefahren werden — die meisten der 500 Stück werden in klimatisierten Garagen stehen, abgedeckt, fotografiert, gestreichelt. Das ist die Ironie und der Reiz dieses Bikes zugleich. Ducati zeigt, was technisch möglich ist, wenn die Ingenieure freie Hand bekommen, und macht daraus ein Stück Markengeschichte. Wer eine bekommt, hält einen Teil der Marke in den Händen. Wer keine bekommt — wie wir alle hier — träumt weiter. Und das ist vielleicht der ehrlichste Grund, warum solche Motorräder gebaut werden.