Isle of Man TT 2026: Race Week auf dem Mountain Course
115. Auflage – 60,7 km öffentliche Straße, fünf Klassen, 17-Minuten-Runden
Heute beginnt Tag 2 der 115. Isle of Man TT. Bis 6. Juni gehört der Mountain Course den Motorrädern. Was die Tourist Trophy zur härtesten Strecke der Welt macht – und wer dieses Jahr fährt.
Gestern, am Bank Holiday Monday, fiel der Startschuss. Bis 29. Mai gehört die Strecke noch dem Qualifying, dann beginnt am Samstag, 30. Mai, die Race Week mit dem ersten Superbike-Rennen. Die Isle of Man TT ist nicht irgendein Motorrad-Event. Sie ist das letzte Rennen ihrer Art – auf öffentlichen Straßen, ohne Auslaufzonen, mit Steinmauern, Bordsteinen und Häusern als Streckenbegrenzung.
Die Strecke: 60,7 km öffentliche Straße
Der Snaefell Mountain Course führt einmal quer durch den Norden der Insel. 37,73 Meilen oder 60,725 km. Über 200 erfasste Kurven, knapp 400 Meter Höhenunterschied. Startpunkt ist Douglas, dann geht es über Glen Vine nach Ramsey, hinauf auf den Snaefell und zurück.
Der aktuelle Rundenrekord steht seit 2023 bei 16:36,115 Minuten – gefahren von Peter Hickman auf einer BMW M 1000 RR in Superstock-Spec. Durchschnittsgeschwindigkeit über eine komplette Runde: 219,4 km/h. Spitzen jenseits 330 km/h. Onboard-Videos schauen dazu hilft beim Begreifen. Helm aufsetzen optional.
Der Zeitplan 2026
- 25.–29. Mai: Qualifying-Woche, Abendsessions
- Sa, 30. Mai: Eröffnung der Race Week, erstes Superbike-Rennen
- 31. Mai – 5. Juni: Rennen der Klassen Superstock, Supersport, Sportsbike, Sidecar (jeweils zwei Läufe)
- Sa, 6. Juni: Senior TT als traditioneller Abschluss
Neu in diesem Jahr: Die alte Supertwin-Klasse wird durch eine offenere Sportsbike-Klasse ersetzt. Ältere Supertwin-Maschinen bleiben startberechtigt, das Reglement ist aber weiter gefasst. Außerdem hat der Veranstalter mehr Ruhetage und Wetterpuffer eingeplant – Lehre aus 2025, als Wind und Regen halbe Race Weeks gekostet hatten.
Übertragen wird die TT komplett über den TT+ Live Pass (23,99 GBP für die gesamten zwei Wochen, Quali und Rennen).
Die Fahrer 2026
- Michael Dunlop – 29 TT-Siege, mehr als jeder andere in der Geschichte, hat 2024 die Marke seines Onkels Joey überholt. Wechselt 2026 in der Superbike-Klasse auf eine Ducati Panigale V4 R.
- Peter Hickman – Rundenrekordhalter, kommt nach Verletzungspause 2025 zurück. Auf BMW M 1000 RR, mit dem neuen 8TEN Racing Team, das er und Davey Todd 2025 gegründet haben.
- John McGuinness – 30 Jahre nach seinem TT-Debüt am Start, mit Startnummer 1 für Honda.
- Dean Harrison – im letzten Jahr Dritter, fährt für Honda.
- Davey Todd – Vorjahres-Sieger, fällt 2026 nach schwerem Sturz bei der Daytona 200 aus.
BMW und die TT
BMWs TT-Geschichte beginnt 1939. Georg Meier gewinnt als erster nicht-britischer Fahrer die Senior TT, auf einer Kompressor-RS 255. 1976 folgt der nächste große Erfolg: Helmut Dähne und Hans-Otto Butenuth holen die 1.000-ccm-Production-Class auf einer R 90 S.
In der modernen Ära mit der S 1000 RR und später der M 1000 RR läuft es ebenfalls gut. Michael Dunlop schaffte 2014 den Klassendurchbruch in der 1.000er, Hickman holte 2022 in einer Woche Superbike, Superstock und Senior TT. 2023 dann der erwähnte Rundenrekord. 2025 fuhr Davey Todd den Superbike-Sieg auf der M 1000 RR ein, Dunlop wurde Zweiter – ebenfalls auf BMW.
Passend zum Jubiläum: das Sondermodell
Vier Tage vor Start der Race Week hat BMW Motorrad eine M 1000 RR Limited Edition Isle of Man TT vorgestellt. 115 Exemplare, eines für jede Auflage. Basis ist die M 1000 RR mit M Competition Paket, technisch unverändert.
Optisch deutlicher Bezug: Auf der Verkleidung sind Sektionen des Mountain Course aufgebracht – Linkskurven links, Rechtskurven rechts. Die Strecke selbst als asymmetrisches Designelement. Lackierung in British Racing Green Uni Matt, Aluminium-Tank in Satin Chrom, schwarze Alcantara-Sitzbank, Carbon-Airboxabdeckung mit TT-Logo und Mountain-Course-Kontur, eingefräste fortlaufende Nummerierung auf der Gabelbrücke, Echtheitszertifikat.
Listenpreis liegt laut Händlerinfos im Bereich um 49.900 Euro.
Fazit
Die TT bleibt das Rennen, das man als Motorradfahrer einmal live gesehen haben sollte. Nicht primär wegen der Spitzengeschwindigkeiten, sondern wegen der Atmosphäre – ein ganzes Inselvolk macht zwei Wochen Pause, damit auf seinen Straßen die Top-Leute der Welt um 17-Minuten-Runden fighten. Das Sondermodell ist eine ehrliche Geste in Richtung dieser Geschichte: Die 115/115-Zählung passt, die Grafik mit den echten Kurven der Strecke hat Substanz. Wer's nicht live schafft, sieht's auf TT+ – ich werde nachts schauen.