Zero Testride Tag 2: Drei Bikes im 190-km-Regen-Test
Zero SR/F, SR/S und FXE: 190 km zur Talsperre, alle Antworten der Serie
Tag 2 des Zero Leser-Testride: 190 Kilometer durch den Regen zur Talsperre Hohenwarte, alle drei Bikes im Vergleich und alle zehn Eingangsfragen beantwortet. Teil 3 der Serie.
Nach der sonnigen Einführungsrunde am Vortag begrüßte uns der eigentliche Test-Tag mit dunklen Regenwolken. Doch die Wetterbedingungen boten die perfekte Gelegenheit, die Zero-Bikes in allen Fahrmodi zu testen: ECO, RAIN, STREET, SPORT und FULL R+P.
Die Strecke
Der Leser-Testride führte rund 190 Kilometer durch den Thüringer Wald. Wir starteten um zehn Uhr morgens am Hotel Rennsteig in Masserberg. Unterwegs machten wir Fotopausen, und als der Regen einsetzte, schlüpfte ich in meinen orangen Regenkombi.
Auf kurvigen Landstraßen ging es zur Talsperre Hohenwarte. Hier verbrachten wir die Mittagspause und luden die Akkus. Zum Glück hörte der Regen auf — der Rückweg wurde sportlich. Inklusive Mittags- und Fotopausen dauerte die Tour rund sieben Stunden. GPS-Daten als ZIP.
Anekdoten am Wegesrand
Eine Szene ist mir besonders geblieben: Unsere Gruppe aus etwa zwölf Motorrädern fuhr durch ein kleines Dorf. Ein älterer Herr schaute uns erstaunt an, fasste sich ans Ohr und rüttelte daran. Vermutlich trug er ein Hörgerät und dachte, es sei defekt — denn außer einem leisen Summen waren die Motorräder kaum zu hören.
Passant: „Warum haben Sie gelb-schwarze Nummernschilder?" Teilnehmer: „Weil wir die Führerschein-Prüfung nicht bestanden haben."
Wenig später passierten wir eine Blaskapelle, die einer alten Frau ein Ständchen spielte. Mit zwölf normalen Bikes hätten wir die Szene übertönt — mit den Zeros summten wir vorbei und ernteten bewundernde Blicke.
Die drei Bikes im Vergleich
Zero SR/F
Die Zero SR/F ist ein typisches Naked-Bike: agil, wendig, irre Spaß auf kurvigen Landstraßen, dazu der unverstellte Fahrtwind. Wegen des einfachen Handlings war die SR/F besonders bei den Teilnehmerinnen beliebt. Nur mit dem Mintgrün konnte ich mich nicht anfreunden — den Streetfighter gibt es zum Glück auch in Schwarz.
Zero SR/S
Laut Datenblatt unterscheiden sich die verkleidete SR/S und die nackte SR/F kaum. In der Praxis wirkt die SR/S etwas steifer und braucht mehr Kraft beim Einlenken. Trotz fantastischer Beschleunigung sehe ich in der SR/S eher einen sportlichen Tourer als ein Superbike — passend dazu gibt es ein dreiteiliges Kofferset von SHAD und eine große Scheibe.
Zero FXE
Die kürzlich vorgestellte Zero FXE war der heimliche Star des Testrides. Die kleine Supermoto zauberte allen Teilnehmenden ein Lächeln ins Gesicht. Leicht wie ein Fahrrad, spielerisches Handling, raketenhafter Antrieb: 44 PS, 106 Nm Drehmoment, 135 Kilogramm Gewicht. Ich wünschte, ich müsste jeden Tag zur Arbeit pendeln…
Akku, Reichweite und Fahrmodi — der Praxis-Check
Hier mein Verbrauchs-Protokoll der 190-km-Tour, Etappe für Etappe:
Tourstart — 10:00 Uhr
- Ladezustand: 100 %
- Geschätzte Reichweite: 129 km
- Hinweis: Nur während der Fahrt zeigt die Zero realistische Werte. Die 129 km wuchsen schnell.
Erste Pause — nach 72 km im RAIN-Modus
- Ladezustand: 71 %
- Geschätzte Reichweite: 160 km
- Der RAIN-Modus nimmt etwas von der brachialen Kraft der Zero (190 Nm) und spart Energie.
Mittagspause an der Talsperre — nach 102 km im STREET-Modus
- Ladezustand: 49 %
- Geschätzte Reichweite: 88 km
- STREET liegt zwischen ECO und SPORT — ordentlich Power, plus Rekuperation beim Gaswegnehmen.
Nach dem Nachladen — ca. eine Stunde später
- Ladezustand: 94 %
- Geschätzte Reichweite: 169 km
Bike-Wechsel — nach 138 km im FULL R+P
- Ladezustand: 77 %
- Geschätzte Reichweite: 167 km
- FULL R+P bedeutet volle Leistung und volle Rekuperation. Ideal für die Berge — sobald man vom „Gas" geht, bremst das Bike. Konfigurierbar nur per Handy-App.
Alle Antworten auf meine Eingangsfragen
Zehn Fragen hatte ich vor dem Testride formuliert. Hier die Antworten:
1. Wie groß fühlt sich der Unterschied zwischen Petrol und Elektro an? Optisch gering, im Handling groß. Elektromotorräder fahren sich besonders einfach und lassen einen mehr von der Umwelt wahrnehmen.
2. Werde ich im Straßenverkehr wahrgenommen? In der Gruppe auf wenig befahrenen Landstraßen schwer zu beurteilen. Im Stadtverkehr vermutlich eher überhört und übersehen.
3. Wie reagieren Passanten? Positiv überrascht, meist mit einem Lächeln.
4. Kann ich die Geschwindigkeit ohne Schalten und Motorgeräusche einschätzen? Definitiv ja — über Fahrtwind und Reifengeräusche.
5. Mehrtägige Touren möglich? Ja, aber gut planen. Apps helfen bei der Routenplanung über Ladestationen.
6. Handling trotz schwerer Batterien? Gut. Die SR/F mit 220 kg Trockengewicht fährt sich wie ein Streetfighter mit Verbrennungsmotor.
7. Alltagstauglich zum Pendeln? Sehr. Wartungsarm (kein Öl, Antrieb per Riemen), Ladung kostet wenig, Reichweite reicht für tägliche Pendelfahrten bis 100 km.
8. Wie funktioniert das Aufladen? Abhängig von Ladestation und optionaler Schnellladefunktion. Beim Testride dauerte das Nachladen auf 94 % rund eine Stunde.
9. Gibt es Routenplanungs-Apps? Ja: Chargemap, EnBW mobility+, chargEV, Ladefuchs, Cleve-Laden.
10. Würde ich meine Ducati Hypermotard gegen eine Zero eintauschen? Meine Diva ist schon etwas älter — da müsste ich zu viel drauflegen. 😉
Fazit
Ohne Zweifel: Dem Elektromotorrad gehört die Zukunft. Zero beweist schon heute, dass elektrische Bikes Verbrennern in Leistung, Beschleunigung und Handhabung in vielen Bereichen überlegen sind. Mein Favorit: die Zero SR/F (ab 20.790 €). Sie sieht aus wie ein Streetfighter, fährt sich agil und sportlich, und mit realer Reichweite um 200 Kilometer lassen sich auch Touren bis 400 Kilometer am Tag planen. Wer einen günstigeren Einstieg in die Elektro-Mobilität sucht, sollte die Supermoto Zero FXE anschauen (ab 13.650 €).
Damit schließt diese Serie ab. Falls du sie verpasst hast: Teil 1 — Vorfreude und 10 Fragen und Teil 2 — Einführungsrunde im Thüringer Wald.