MotoGP mit Kindern am Sachsenring: Tipps aus Erfahrung
Gehörschutz, Tribünenwahl, Pausen – so klappt das Renn-Wochenende mit Kids
Lohnt sich ein MotoGP-Wochenende am Sachsenring mit Kindern? Ja — wenn du Gehörschutz, Tribünenwahl und Pausen richtig planst. Fünf konkrete Tipps aus eigener Erfahrung mit Tochter und Sohn.
Meine Kinder schauen gern mit, wenn ich sonntags vor dem Fernseher sitze und MotoGP-Rennen verfolge. Tochter und Sohn kennen die Namen einiger Fahrer und haben ihre Lieblinge: Sohnemann mag Marc Márquez („die Ameise"), Töchterchen sympathisiert mit Fabio Quartararo („Fabio Fantastique"). Also habe ich sie zum Rennwochenende mitgenommen. Hier ist, was funktioniert hat — und was du wissen solltest, bevor du dasselbe machst.
1. Gehörschutz ist nicht optional
Die Lautstärke der MotoGP-Bikes ist höllisch — und Kinder nehmen Lärm noch stärker wahr als Erwachsene. Ohne Gehörschutz wird das Wochenende für die Kleinen schnell zur Tortur statt zum Erlebnis.
Den passenden Schutz gibt es an fast jedem Merchandise-Stand: rund 10 Euro pro Stück, mit den Startnummern der Fahrer beschriftet. Wir haben uns für den gelben 46er entschieden. Wichtig: Den Hörschutz nur direkt an der Strecke tragen. Im Fahrerlager geht es so hektisch zu, dass die Kinder alle Sinne brauchen — sonst wird man von einem der vielen Motorroller angefahren.
2. Das Fahrerlager ist der eigentliche Themenpark
Für Kinder bietet das Fahrerlager mehr als das Rennen selbst. Michelin zeigt in einem offenen Zelt das Aufziehen der MotoGP-Reifen — faszinierend, auch für Erwachsene. Im Dainese-LKW sind alle Lederkombis der Fahrer ausgestellt; mit Glück darf man drinnen vorbeischauen und das Leder anfassen.
Alle Team-Quartiere bieten Fankarten ihrer Fahrer zum Mitnehmen an, einige spendieren sogar eine Eistüte — das Beste gibt es bei Aprilia. Und mit etwas Geduld erwischt man auch seine Helden, wenn sie kurz aus dem Trailer treten. Am meisten Trubel war erwartungsgemäß vor den blauen VR46-LKWs.
3. Tribüne und Sitzplatz mit Bedacht wählen
Am Sachsenring gibt es kaum eine schlechte Tribüne — durch die Höhenunterschiede ist die halbe Strecke einsehbar. Für Familien lohnt eine Tribüne mit überdachten oder beschatteten Plätzen, am besten nicht direkt am Start-Ziel: Dort wird's bei voller Belegung eng und laut — mit kleinen Kindern eher anstrengend.
Stehplätze sind günstiger, aber für unter Zehnjährige eine Belastung über den ganzen Tag. Wir haben gemischt: Tribüne zum Rennen, Stehbereich fürs freie Training.
4. Pausen und Verpflegung einplanen
Ein MotoGP-Wochenende ist lang. Drei volle Tage mit Sessions ab Vormittag, plus Anreise. Kinder schaffen das nicht durchgehend. Plane ein:
- Frühstück vor der Anreise — die Schlange am Eingang ist meist zu lang für quengelnde Mägen.
- Snacks und Wasser im Rucksack — Verpflegung am Ring ist okay, aber teuer und mit Wartezeit.
- Mindestens eine längere Pause zwischen den Sessions, am besten im Fahrerlager-Schatten oder im Auto.
- Sonnencreme und Regenjacke — das Wetter am Sachsenring wechselt schnell.
5. Paddock-Pass: der seltene Glücksfall
Wer eine Paddock-Einladung bekommt, hat es mit Kindern besonders einfach. Im Trailer gibt es Verpflegung, Bildschirme mit Live-Daten und Klimaanlage. Über die vielen Monitore lassen sich Runden und Zeiten bestens überblicken. Vielen Dank an dieser Stelle ans VR46-Team für die Einladung damals — es war ein fantastisches Wochenende.
Falls du keinen Paddock-Pass hast: VIP-Tickets mit Boxengassen-Walk gibt es auch käuflich, kosten aber deutlich mehr als ein normales Ticket. Für ein einzelnes Familien-Wochenende eher unrealistisch — aber zum runden Geburtstag mal eine Idee.
Das Rennen 2019
Wie schon im Vorjahr startete Marc Márquez von der Pole, gefolgt von Fabio Quartararo und Maverick Viñales. Quartararo schnappte sich am Start die Führung, schied aber später aus. Valentino Rossi kämpfte sich nach Platz 11 in der Qualifikation nach vorn — am Ende setzte sich Márquez wieder von seinen Verfolgern ab und gewann.
Checkliste fürs Familien-Wochenende
- Kinder-Gehörschutz pro Kind (am besten vor Ort kaufen, ca. 10 €)
- Sonnencreme, Regenjacke, Kappe
- Snacks, Wasser, Traubenzucker
- Powerbank fürs Handy (Lageplan, Zeitplan)
- Programm-Heft am Eingang mitnehmen
- Frühstück vor der Anreise
- Tribünenkarte oder Stehplatz vorher klären
- Plan für mindestens eine Pause im Fahrerlager
Fazit
Mein Eindruck: Ein MotoGP-Wochenende mit Kindern funktioniert besser, als ich gedacht hätte — mit einer harten Bedingung: Ohne Kinder-Gehörschutz wird es nicht gut gehen. Das Fahrerlager ist für die Kleinen wie ein Themenpark, das Rennen selbst ist überwältigend laut und schnell. Plane Pausen ein, pack Snacks ein und besorg den Gehörschutz am besten gleich am Eingang. Lohnt sich auf jeden Fall — meine zwei wollten danach gleich wieder hin.