Wer A2 fährt und trotzdem Supersport-Feeling will, bekommt hier eine ungewöhnlich „große“ Anmutung in der Mittelklasse: straffe Linie, klare Rückmeldung, echtes Sportbike-Cockpit. Die 35 kW machen sie nicht zur Rakete, aber zur sehr gut dosierbaren Kurvenmaschine, bei der ich mich auf saubere Traktion und berechenbare Lastwechsel verlassen kann. Der Factory-Charakter sitzt im Detail: mehr Präzision beim Einlenken, mehr Kontrolle beim Bremsen, insgesamt weniger Unruhe, wenn der Asphalt wellig wird. Auf der Landstraße ist das der Unterschied zwischen „schnell fahren“ und „schnell fahren können“, ohne ständig zu korrigieren. Wer später offen fahren will, sollte vor dem Kauf genau klären, welche A2-Variante rechtlich und technisch dahintersteht – als Paket ist sie aber klar auf sportliches Lernen mit hochwertigem Fahrwerk getrimmt.
Diese Öhlins-Front ist das Detail, das sofort hängen bleibt: Beim ersten harten Anbremsen taucht sie kontrolliert ein, bleibt ruhig und gibt mir dieses „ich treffe den Bremspunkt wirklich“-Vertrauen. Im A2-Setup fehlt obenrum der große Punch, klar, aber aus mittleren Drehzahlen kommt der Twin sauber und elastisch, sodass ich am Kurvenausgang früh ans Gas kann, ohne dass die Fuhre hektisch wird. In schnellen Wechselkurven wirkt die Factory wie eine straffer geschnürte RS: präziser beim Einlenken, stabiler auf der Linie, weniger Nacharbeit am Lenker. Die Elektronik greift modern und unaufgeregt ein, eher wie ein unsichtbares Geländer als wie eine Spaßbremse. Gegen eine Yamaha R7 fährt sie erwachsener und „high-techiger“, gegen eine Ninja 650 deutlich sportlicher und feiner im Fahrwerksgefühl; eine CBR650R kontert eher mit Vierzylinder-Charakter, nicht mit dieser messerscharfen Kurvenruhe.
Am Ende überzeugt sie mich nicht über Zahlen, sondern über Gefühl: Die Factory fährt sich im A2-Trimm erstaunlich präzise und stabil. Das Öhlins-Setup macht sie zur Kurven-Schablone, gerade beim Anbremsen und am Scheitel. Wenn du Supersport-Optik willst, aber vor allem Vertrauen und saubere Linien suchst, ist das ein sehr starkes Paket. Nur wer maximalen Topend-Punch erwartet, muss realistisch bleiben.
Im Netz wird die RS 660 Factory (Modelljahr 2025) vor allem als spürbares Fahrwerks-Upgrade der ohnehin sehr sportlichen RS 660 eingeordnet: Mehr Präzision am Vorderrad, mehr Ruhe beim harten Anbremsen und ein insgesamt „racing“-mäßigeres Gefühl dank Öhlins, ohne dass sie zur anstrengenden Track-Waffe wird. Mehrere Tests betonen außerdem die überarbeitete Elektronik samt 6-Achs-IMU und die hohe Stabilität in Schräglage, gerade wenn man früh ans Gas geht. Gleichzeitig wird klar herausgestellt, dass es die 35-kW-Option weiterhin gibt, die Factory aber ihren Mehrwert weniger über Leistung als über Fahrwerksqualität und Feintuning liefert. In deutschsprachigen Berichten wird die 2025er-Überarbeitung (Aerodynamik/Ergonomie/Updates) als Schritt Richtung „Benchmark“ in der Mittelklasse-Supersport-Ecke beschrieben, während US-Meldungen vor allem Verfügbarkeit und Positionierung der Factory als teurere, besser ausgestattete Variante hervorheben. Quellen: Gazzetta.it Fahrtest, MOTORRAD Online PS-Test, inSella Erstkontakt, Cycle News US-Update zur 2025er RS 660/Factory. Quelle ansehen