Mit ihrem 754-cm³-Zweizylinder tritt die Leoncino 800 selbstbewusst in der oberen Mittelklasse an. Die 76,2 PS und 67 Nm fühlen sich vor allem beim Herausbeschleunigen aus Kehren kräftig an, ohne dass der Motor ständig hohe Drehzahlen verlangt. Auf der Landstraße gefällt die saubere Balance aus aufrechter Sitzposition, breitem Lenker und stabilem Geradeauslauf; in engen Wechselkurven verlangt die Masse jedoch einen entschlossenen Impuls. Der kräftige Vorderreifen und die solide Bremsanlage vermitteln beim Anbremsen Vertrauen, während das Fahrwerk eher auf Ruhe als auf kompromisslose Sportlichkeit abgestimmt ist. So entsteht ein Motorrad für Fahrer, die Stil, entspanntes Reisen und gelegentliche flotte Kurvenrunden höher bewerten als maximale Agilität oder ein elektronisches Vollprogramm.
Die Benelli Leoncino 800 steht im modernen Retro-Segment für alle, denen eine Yamaha XSR700 zu gewöhnlich und eine Ducati Scrambler zu kalkuliert erscheint. Ihr stärkstes Argument ist nicht die letzte Präzision im Datenblatt, sondern der eigenständige Auftritt kombiniert mit einem druckvollen Zweizylinder. Beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven liefert der Motor ordentlich Punch, ohne den Fahrer mit nervöser Aggressivität zu überfordern. Das Fahrwerk vermittelt Stabilität, die Leoncino liegt satt und bleibt auch bei höherem Tempo ruhig. In Wechselkurven spürt man allerdings ihr Gewicht, besonders beim späten Einlenken oder beim harten Anbremsen. Die Bremsanlage bietet einen klaren Druckpunkt und lässt sich sauber dosieren. Gegen Triumph Trident 660 und Yamaha XSR700 wirkt die Benelli weniger leichtfüßig, dafür mechanischer, charakterstärker und erwachsener. Wer ein emotionales Naked Bike mit klassischer Silhouette und echtem Langstreckenpotenzial sucht, findet hier eine eigenständige Alternative.
Die Leoncino 800 ist keine Leichtgewichtskünstlerin, sondern eine charaktervolle Retro-Naked mit kräftigem Antrieb und stabilem Fahrverhalten. Ihr Auftritt hebt sie deutlich aus dem Einheitsbrei hervor. In Kurven fährt sie sicher und satt, fordert beim Umlegen aber etwas Körpereinsatz. Wer bewusst gegen den Mainstream kauft und auf eigenständiges Design steht, bekommt ein vielseitiges Motorrad mit echtem Punch.
Die internationalen Tests und Fahrerberichte zeichnen ein überwiegend positives, aber nicht unkritisches Bild. Häufig gelobt werden die eigenständige Optik, die wertige Wirkung und die entspannte, aufrechte Sitzposition. Besonders auf kurvigen Landstraßen soll die Leoncino stabil und vertrauenerweckend fahren; ihr Gewicht wird dabei zugleich als Vorteil für Ruhe und als Nachteil beim Rangieren oder bei schnellen Richtungswechseln beschrieben. Der Zweizylinder überzeugt mit kräftigem Durchzug und angenehmer Motorbremse, einzelne Berichte nennen jedoch leichte Unsauberkeiten im unteren Drehzahlbereich. Die Bremsen gelten als kräftig und gut dosierbar, während Komfort und Alltagstauglichkeit positiv bewertet werden. Im direkten Vergleich zu Triumph Trident 660 und ähnlichen Mittelklasse-Modellen wird die Benelli bei Elektronik, Leichtfüßigkeit und Markenimage nicht immer vorn gesehen. Ihre Pluspunkte liegen klar bei Design, Charakter und Preis-Leistungs-Wirkung. Quellen: benelli.com; webbikeworld.com; benelli.com. Quelle ansehen