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Man steigt auf, rollt los – und sofort wirkt alles wie aus einem Guss: Motorlauf, Antrieb, Fahrwerk und diese große, entspannte Ergonomie. Der Sechszylinder liefert seinen Schub nicht als Schlag, sondern als endloses, samtiges Band, das Überholmanöver fast beiläufig macht. In Kurven funktioniert sie am besten, wenn ich rund fahre: frühes Einlenken, stabiler Radius, dann sauber rausbeschleunigen, statt hektisch umzulegen. Die Grand America ist klar auf Komfort und Souveränität getrimmt, inklusive viel Windschutz und Touren-„Wohnzimmer“-Gefühl, bleibt aber überraschend präzise, wenn der Asphalt enger wird. Dass die Höchstgeschwindigkeit begrenzt ist, gehört zum Konzept und sollte vor dem Kauf als bewusste Entscheidung gesehen werden – gerade im Vergleich zu sportlicheren Tourern.
Agilität trotz Masse, ein seidig-dicker Punch aus dem Keller und diese lässige Kontrolle am Kurveneingang: Genau so fährt sich die Grand America, wenn man sie nicht „drückt“, sondern sauber führt. Der Reihensechser hängt kultiviert am Gas, schiebt mit Nachdruck und bleibt dabei erstaunlich gelassen, selbst wenn die Straße wellig wird. In schnellen Wechselkurven spüre ich klar: Das ist kein Sporttourer, aber die Front bleibt stabil, die Linie lässt sich über Blickführung und ruhige Inputs präzise nachkorrigieren. Beim Anbremsen vor engen Radien hilft die Elektronik, ohne das Gefühl zu kastrieren; ich kann den Bremspunkt spät setzen und trotzdem entspannt einlenken. Charakter hat sie vor allem über dieses „Sänfte-mit-Turbine“-Gefühl: luxuriös, aber nicht träge. Gegen eine Honda Gold Wing wirkt sie emotionaler im Antrieb, gegen eine Harley-Davidson Road Glide technischer und neutraler – und genau da liegt ihr Reiz.
Wer Langstrecke liebt und den Reihensechser als Erlebnis sucht, bekommt hier eine der souveränsten Touring-Plattformen überhaupt. Fahrdynamisch überzeugt sie über Stabilität und Ruhe, nicht über Hektik. Die Limitierung auf 162 km/h muss man wollen. Für mich ist sie ein Luxus-Tourer mit Charakter, der Technik und Komfort sehr stimmig verbindet.
Im Netz zieht sich ein roter Faden durch viele Berichte: Der Reihensechser wird fast überall als extrem kultiviert, kräftig und langstreckentauglich beschrieben, mit diesem typischen „Turbinen“-Charakter, der die K 1600-Familie ausmacht. Gleichzeitig wird die Grand America regelmäßig über ihre bewusst begrenzte Höchstgeschwindigkeit diskutiert, die je nach Markt und Einsatzzweck als konsequent oder als unnötige Einschränkung gesehen wird. BMW selbst listet für 2026 vor allem Ausstattungs- und Paket-Themen im Modelljahr-Update, was den Eindruck stützt, dass es eher ein Feinschliff- als ein Umbruchjahr ist. In Community-Threads tauchen zudem wiederkehrende Hinweise auf: Mit Topcase und bei Seitenwind bzw. „dirty air“ kann sich das Fahrverhalten bei hohem Tempo unruhiger anfühlen, während andere Besitzer die Maschine als großartig komfortabel und alltagstauglich feiern. Unterm Strich: viel Lob für Motor, Komfort und Technik, die Kritik fokussiert sich auf Aerodynamik/Highspeed-Themen und die Limitierung. Quelle ansehen