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Man merkt schon nach den ersten Metern, dass hier nicht „leichtfüßig“ das Ziel war, sondern Ruhe, Druck und Stil. Der Boxer schiebt mit diesem typischen, großen Hubraum-Beat an, und genau das macht das Motorrad im Alltag so angenehm: raus aus dem Ort, ein kurzer Gasimpuls, und die Fuhre sortiert sich gelassen nach vorn. In Kurven funktioniert sie am besten mit einer ruhigen Hand und einem sauberen, frühen Blick zum Ausgang, dann bleibt der Grip stabil und die Linie nachvollziehbar. Wer hektisch umlegt oder spät bremst, spürt sofort die Trägheit – wer flüssig fährt, bekommt ein sehr sattes, vertrauenerweckendes Fahrgefühl. Als Retro-Bagger ist sie damit eher „Cruise & Pose“ als „Attacke“, aber genau darin liegt ihre Konsequenz.
Die R 18 Roctane steht im Retro-Bagger-Segment genau zwischen klassischem Cruiser und Tourer: für Fahrer, die Optik, Soundgefühl und Souveränität suchen – nicht die letzte Kurvengier. Auf der Landstraße fahre ich sie am liebsten im „Roll“, weil der Big Boxer dann wie ein riesiger Schwungradmotor aus dem Keller drückt und das Motorrad aus Kehren ohne Hektik nach vorn schiebt. In schnellen Bögen verlangt sie klare Linienwahl: früh einlenken, sauber am Kurvenausgang stehen lassen, dann trägt dich der Grip stabil raus, solange du die Schräglage nicht erzwingst. Beim Anbremsen setze ich bewusst früher an; die Masse will geführt werden, nicht überrascht. Gegen Harley Road King und Indian Springfield wirkt sie mechanischer, eigenständiger und „deutscher“ in der Bedienlogik, aber auch weniger lässig im Handling. Ihre Stärke ist dieses monumentale Drehmomentgefühl mit Retro-Show und Bagger-Nutzen, ohne in Vollverkleidungs-Touring abzudriften.
Für mich ist die Roctane ein Charakter-Bagger für Genießer: viel Bühne, viel Drehmomentgefühl, viel Geradeaus-Souveränität. In Kurven will sie geführt werden und verlangt Respekt vor Masse und Schräglagenfreiheit. Wer Road-King-Style mag, aber Boxer-Mechanik und BMW-Feeling sucht, findet hier eine sehr stimmige Alternative. Sport-Cruiser-Fans schauen besser woanders.
In den Online-Tests und Vorstellungen wird die Roctane meist als bewusst „old-school“ interpretierter Bagger eingeordnet: viel Präsenz, viel Geradeauslauf, und ein Konzept, das eher Road-King-Kundschaft anspricht als sportliche Power-Cruiser-Fans. MOTORRAD beschreibt sie als konsequent flachen Lowrider-Bagger, der in weiten Bögen erstaunlich zielgenau läuft, aber bei zu viel Schräglage über die Trittbretter Grenzen setzt und bei Unebenheiten hinten eher straff durchreicht. Rider Magazine hebt die Kombination aus Retro-Optik (Instrument im Scheinwerfergehäuse) und moderner Elektronik hervor und betont die Stabilität durch die Geometrie, inklusive spürbar mehr Geradeausruhe. Visordown ordnet spätere Modellpflege-Updates in der R-18-Familie über Mapping/ECU ein und nennt für die Roctane zusätzliche Ausstattungs- und Farbthemen, was den Charakter als Lifestyle-Bagger unterstreicht. Unterm Strich: gefeiert werden Look, Motorcharakter und Langstrecken-Attitüde, kritischer gesehen werden Gewicht/Handlichkeit und die sportlichen Ambitionen, die das Design zwar andeutet, aber fahrdynamisch nur begrenzt einlöst. Quelle ansehen