Technisch ist der Jahrgang 2026 weit mehr als ein Motorwechsel. Der neue 890-cm³-V2 ersetzt den bisherigen Testastretta, arbeitet mit variabler Einlasssteuerung und verbindet 110,3 PS mit einer sehr gut nutzbaren Drehmomentkurve. Dazu kommen ein neu entwickeltes Monocoque-Chassis, überarbeitete Ergonomie, ein leichter lenkendes Vorderrad und eine stärker auf Gelände ausgelegte Fahrwerksabstimmung. Auf der Straße bedeutet das kräftigen Durchzug, saubere Lastwechsel und hohe Stabilität beim harten Ankern vor Kurven; im Schotter helfen die schmale Sitzposition, die 21-/18-Zoll-Räder und die fein dosierbare Elektronik. Mit 209 Kilogramm ohne Kraftstoff bleibt sie allerdings näher an einer ausgewachsenen Reiseenduro als an einer großen Enduro im Rallye-Stil.
Schon in der Stadt fällt auf, wie schmal sich die neue DesertX zwischen den Knien anfühlt: Trotz ihrer Größe lässt sie sich leicht durch enge Lücken dirigieren und wirkt beim Rangieren deutlich weniger sperrig als erwartet. Auf der Landstraße zeigt sie dann ihren eigentlichen Charakter. Der V2 hängt sauber am Gas, schiebt aus engen Kehren druckvoll heraus und liefert genau den Punch, den ich bei einer Reiseenduro mit sportlichem Anspruch suche. Beim Anbremsen bleibt die Front stabil, der Übergang zum Einlenken gelingt präzise, und auf losem Untergrund vermittelt das 21-Zoll-Vorderrad viel Ruhe. Gegen eine BMW R 1300 GS wirkt sie fokussierter und weniger touristisch, gegen eine Yamaha Ténéré 700 deutlich kräftiger und hochwertiger auf Asphalt. Die DesertX V2 ist kein Leichtgewicht, kaschiert ihre Masse aber mit guter Balance, direkter Ergonomie und einem Fahrwerk, das Abenteuer nicht nur behauptet, sondern ernst nimmt.
Die DesertX V2 ist die konsequentere und vielseitigere Neuauflage eines ohnehin eigenständigen Konzepts. Sie fährt kontrollierter, wirkt im Alltag zugänglicher und liefert auf Asphalt weiterhin echten Ducati-Punch. Im Gelände zählt sie zu den glaubwürdigsten Motorrädern ihrer Klasse, verlangt wegen Gewicht und Sitzhöhe aber nach einem aktiven Fahrer. Wer eine komfortable Kilometerfresserin sucht, findet bei der Multistrada V2 die rationalere Lösung.
Die ersten internationalen Tests zeichnen ein überwiegend positives, aber nicht unkritisches Bild. RevZilla lobt die breitere Nutzbarkeit des neuen V2 und beschreibt die DesertX als gelungenen Kompromiss zwischen Asphalt und Gelände. Besonders positiv fällt dort auf, dass die Kraftentfaltung weniger schaltintensiv wirkt und das Motorrad trotz ähnlichem Gesamtgewicht leichter und besser ausbalanciert fährt. Cycle World hebt ebenfalls den kompakteren Motor, die längeren Wartungsintervalle und die moderne technische Basis hervor. Kritischer fällt die Einschätzung bei Visordown aus: Das Motorrad überzeugt durch Offroad-Kompetenz und stabile Bremszonen, bleibt aber körperlich fordernd und ist im Gelände keineswegs narrensicher. Mehrere Tests sehen außerdem den Verlust des alten Testastretta-Charakters als Geschmacksfrage. Insgesamt gilt die V2 als vielseitiger und zugänglicher, ohne ihren sportlichen Ducati-Kern zu verlieren. Quellen: ducati.com; revzilla.com; visordown.com. Quelle ansehen