Mit 120 PS aus dem neuen 890-cm³-V2 tritt die Panigale V2 (2026) nicht mehr als kleine Schwester einer kompromisslosen Superbikes an, sondern als eigenständige Supersportlerin. Ihr größter Trumpf ist die Kombination aus 179 Kilogramm, sauberer Kraftentfaltung und einer Elektronik, die Kurven-ABS, Traktionskontrolle, Wheelie-Kontrolle, Motorbremsmoment und Schaltautomat sinnvoll zusammenführt. Auf der Landstraße lässt sie sich früh ans Gas nehmen, ohne den Fahrer mit hektischem Lastwechsel zu beschäftigen. Auf der Rennstrecke fehlen gegenüber der alten 955er am Ende der Geraden einige Reserven, doch die leichtere Maschine macht diesen Nachteil in engen Passagen teilweise wieder wett. Die Sitzposition bleibt sportlich, ist aber deutlich weniger fordernd als früher. Damit rückt die Ducati näher an moderne Mittelklasse-Supersportler, bewahrt jedoch den exklusiven Auftritt und die präzise Fahrwerksabstimmung einer echten Panigale.
Das schmale Heck wirkt im Stand fast zerbrechlich – bis der neue V2 beim ersten Gasstoß klarstellt, dass hier keineswegs Zurückhaltung angesagt ist. Die 890er zieht sauber, druckvoll und erstaunlich kontrollierbar aus mittleren Drehzahlen, während das leichte Chassis beim Einlenken beinahe unter dem Fahrer wegkippt. In schnellen Wechselkurven braucht sie kaum Nachdruck, am Kurveneingang lässt sie sich spät und präzise bremsen. Der Grip kommt nicht nur über die Reifen, sondern vor allem über die ruhige Balance zwischen Vorder- und Hinterrad. Die Elektronik arbeitet dabei unauffällig statt bevormundend. Gegenüber der früheren Panigale V2 fehlt oben heraus der brutale Punch, dafür fährt sich die neue Ducati im Alltag und auf der Rennstrecke deutlich weniger anstrengend. Gegen Yamaha R9 und Aprilia RS 660 wirkt sie exklusiver und kräftiger, gegen die Panigale V4 aber bewusst menschlicher.
Sie ist nicht mehr die Panigale für den maximalen Adrenalinschub auf der Geraden, sondern für Fahrer, die jede Kurve intensiver erleben wollen. Der neue Motor wirkt kultivierter, das Fahrwerk agiler und die Ergonomie alltagstauglicher. Gegenüber der Vorgängerin verliert sie Spitzenleistung, gewinnt aber deutlich an Zugänglichkeit. Wer bewusst eine leichte, hochwertige Supersportlerin sucht, findet hier eine der stimmigsten Ducati-Neuinterpretationen seit Jahren.
Die bisherigen Tests zeichnen ein bemerkenswert einheitliches Bild: Ducati hat die Panigale V2 nicht einfach entschärft, sondern konsequent auf weniger Gewicht, bessere Zugänglichkeit und mehr Alltagstauglichkeit ausgelegt. MCNews lobt die leichte Richtungsänderung, das stabile Verhalten am Kurvenausgang und die hohe Kontrollierbarkeit beim Herausbeschleunigen. 1000PS hebt besonders die späten Bremspunkte, die engen Linien und das gutmütige Ansprechverhalten hervor, sieht die geringere Leistung aber klar als bewussten Charakterwechsel. Men’s Journal beschreibt den Motor als drehmomentstärker, als es die Hubraumklasse erwarten lässt, und bewertet Schaltautomat sowie Bremsgefühl positiv. Ducati selbst positioniert das Modell als leichteres, komfortableres und elektronisch hochwertig ausgestattetes Gegenstück zur größeren Panigale. Kritik gibt es vor allem an der weniger ausgeprägten Tankform und daran, dass auf langen Geraden spürbar Leistung fehlt. Quellen: ducati.com; ducati.com; 1000ps.com. Quelle ansehen