Mit ihrem 1.833-cm³-Sechszylinder fährt die Honda Gold Wing Tour nicht auf Krawall, sondern auf kultivierten Druck und maximale Gelassenheit. Die 126,5 PS wirken im Alltag nie knapp, weil das Drehmoment von 170 Nm die fast 393 Kilogramm souverän anschiebt und Überholmanöver ohne hektisches Zurückschalten ermöglicht. Auf kurvigen Strecken überrascht die Tour mit präziser Linienwahl und stabiler Bremswirkung, während die automatische DCT-Variante den Reisekomfort nochmals steigert. Gleichzeitig bleibt sie ein großes Motorrad, das enge Parkhäuser, steile Garagenrampen und langsames Wenden nicht leichtfertig verzeiht. Gegenüber einer BMW K 1600 GTL ist sie ruhiger und stärker auf Komfort fokussiert, gegenüber Harley-Davidson und Indian technisch nüchterner, aber fahrdynamisch ausgewogener.
Schon in der Stadt zeigt sich, worauf man sich bei der Gold Wing Tour einlässt: Beim Rangieren verlangt sie Respekt, sobald sie aber rollt, verschwindet ihr Gewicht erstaunlich schnell aus dem Kopf. Auf der Landstraße liegt sie satt, zieht mit dem seidig drückenden Sechszylinder kraftvoll aus engen Kehren und setzt die Bremspunkte mit großer Ruhe um. Die Double-Wishbone-Vorderradführung vermittelt dabei ein ungewöhnlich stabiles, beinahe automotives Gefühl, ohne die Rückmeldung völlig zu opfern. Besonders stark ist die Honda auf langen Etappen und mit Sozius, wo Sitzkomfort, Windschutz und Gepäckraum ihre Klasse rechtfertigen. Gegen BMW K 1600 GTL, Harley-Davidson Ultra Limited und Indian Pursuit wirkt sie weniger emotional, dafür kultivierter, präziser und technisch homogener. Die Gold Wing ist kein Motorrad für spontane Leichtigkeit, sondern ein souveräner Kilometerfresser mit überraschend sportlichem Kern.
Wer ein leichtfüßiges Motorrad für kurze Feierabendrunden sucht, wird mit der Gold Wing Tour kaum glücklich. Für lange Reisen mit viel Gepäck und häufigem Soziusbetrieb ist sie dagegen eine der überzeugendsten Lösungen überhaupt. Ihr Sechszylinder läuft seidig, das Fahrwerk arbeitet souverän und die Bremsen geben viel Vertrauen. Der Preis und das hohe Rangiergewicht bleiben die größten Hürden.
Die im Netz veröffentlichten Fahrberichte zeichnen ein bemerkenswert einheitliches Bild: Die Gold Wing Tour gilt weiterhin als Referenz für entspanntes Reisen zu zweit, nicht wegen spektakulärer Spitzenleistung, sondern wegen ihrer Laufruhe, Stabilität und außergewöhnlichen Langstreckenqualität. Mehrere Tester betonen, dass sich das hohe Gewicht bei Fahrt deutlich weniger einschüchternd anfühlt als beim Rangieren und dass das Fahrwerk in Kurven erstaunlich präzise arbeitet. Positiv bewertet werden außerdem die kräftigen Bremsen, die gute Ergonomie und die nahtlose Integration von Smartphone-Funktionen. Kritik gibt es vor allem an den überschaubaren Neuerungen des aktuellen Baujahrs, am hohen Preis und daran, dass moderne Assistenzsysteme wie radarbasierte Abstandsregelung fehlen. Insgesamt überwiegt jedoch die Meinung, dass Honda mit der Gold Wing Tour weiterhin ein besonders ausgereiftes, eigenständiges Luxus-Tourenmotorrad anbietet. Quellen: powersports.honda.com; ridermagazine.com; roadandtrack.com. Quelle ansehen