Mit 1.099 cm³, 136 PS und 113 Nm setzt Kawasaki auf einen Reihenvierzylinder, der nicht erst am oberen Ende des Drehzahlbandes interessant wird. Auf der Landstraße fühlt sich das Triebwerk deshalb ausgesprochen souverän an: Gas anlegen, den nächsten Kurvenausgang anvisieren und den Punch dosiert auf den Asphalt bringen. Das Fahrwerk hält die Linie sauber, die 221 Kilogramm verlangen beim Einlenken etwas Nachdruck, vermitteln dafür aber viel Ruhe, sobald die Z1100 auf der Flanke liegt. Moderne Assistenzsysteme, Kurven-ABS, Fahrmodi, Tempomat und ein bidirektionaler Quickshifter machen aus dem aggressiven Auftritt ein erstaunlich unkompliziertes Gesamtpaket. Mit bis zu 245 km/h bleibt sie auch auf schnellen Etappen standfest, ohne ihre eigentliche Stärke – den druckvollen Straßenbetrieb – aus den Augen zu verlieren.
Die Kawasaki Z1100 steht im Supernaked-Segment für alltagstaugliche Kraft statt maximaler Datenblatt-Dramatik – sie richtet sich an Fahrer, die Druck aus der Mitte, souveräne Stabilität und den unverwechselbaren Sugomi-Auftritt höher bewerten als radikale Rennstreckenagilität. Ich erlebe den Vierzylinder als ausgesprochen erwachsen: Er hängt direkt am Gas, schiebt schon aus niedrigen Drehzahlen kräftig an und macht Kurvenstraßen angenehm unkompliziert, weil nicht jeder Bremspunkt mit einem hektischen Gangwechsel vorbereitet werden muss. Beim Herausbeschleunigen liegt viel Ruhe im Motorrad, der Punch kommt kontrolliert und mit ordentlicher Traktion. Gegen eine BMW S 1000 R oder Ducati Streetfighter V4 fehlt der letzte Top-End-Schub, gegen Honda CB1000 Hornet SP und Suzuki GSX-S1000 wirkt die Kawasaki jedoch souveräner und charaktervoller. Ihre Stärke ist die gelassene Geschwindigkeit – schnell, stabil und jederzeit beherrschbar.
Die Z1100 ist keine kompromisslose Leichtbauwaffe, sondern eine kräftige und stabile Supernaked mit eigenem Charakter. Ihr Reihenvierzylinder begeistert durch Druck aus der Mitte und bleibt dabei kontrollierbar. Wer maximale Drehzahl-Ekstase sucht, findet bei BMW oder Ducati mehr Drama. Für schnelle Landstraßen, lange Etappen und souveränes Kurvenfahren ist die Kawasaki jedoch eine sehr überzeugende Wahl.
Die bisherigen Tests zeichnen ein erstaunlich einheitliches Bild: Die Z1100 punktet vor allem mit ihrem kräftigen, breit nutzbaren Vierzylinder und einem Durchzug, der im Alltag oft stärker wirkt, als es die Spitzenleistung vermuten lässt. Cycle News lobt die entspannte Kraftentfaltung, die präzise Schaltung und die hohe Stabilität in langgezogenen Kurven. Bennetts ordnet die Kawasaki als komfortorientiertere und weniger radikale Alternative zu den europäischen Supernakeds ein, sieht aber beim Gewicht einen klaren Nachteil. SlashGear hebt Sitzposition, Ausstattung und Alltagstauglichkeit hervor, kritisiert jedoch, dass einige Konkurrenten bei Leistung und Elektronik noch ambitionierter auftreten. Insgesamt wird die Z1100 als charaktervolle, schnelle Straßenmaschine wahrgenommen, nicht als verkappte Rennstrecken-Superbike. ([cyclenews.com]) Quellen: cyclenews.com; slashgear.com; bennetts.co.uk. Quelle ansehen