Wenn ich sie als Allrounder betrachte, ist das die große Stärke: Sie fühlt sich auf Landstraße und Autobahn wie ein richtiges Reisegerät an, nicht wie ein aufgebockter Naked-Bike-Kompromiss. Der Parallel-Twin liefert diesen angenehmen, drehmomentstarken Schub, der Überholmanöver kurz und stressfrei macht, während das Fahrwerk eher auf Ruhe im Chassis als auf maximale Schärfe ausgelegt ist. In Kurven klappt das zügige Tempo, solange man sauber fährt und nicht versucht, die Physik wegzudiskutieren. Im leichten Gelände passt sie zu dem, was die meisten wirklich fahren: Schotter, Feldwege, schlechte Nebenstraßen. Unterm Strich ist das eine Adventure, die über Ausstattung, Komfort und Preis argumentiert – und damit im Segment auffällig viel Gegenwert bietet.
Agilität trotz Masse, ein kerniger Punch aus dem Keller und dieses Gefühl von Kontrolle, wenn du am Kurveneingang spät ankerst: Genau damit holt mich die DS900X ab. Auf meiner Hausrunde funktioniert sie am besten, wenn ich sie sauber über die Bremse in die Linie setze und dann früh, aber dosiert ans Gas gehe; der Motor schiebt satt, ohne dass ich ständig hektisch zurückschalten muss. Das Fahrwerk wirkt eher auf Komfort und Stabilität getrimmt als auf „Supermoto im ADV-Kleid“: In schnellen Wechselkurven spürst du das Gewicht, auf welligem Asphalt bleibt sie dafür gelassen und spurtreu. Offroad ist das eher „Schotter- und Waldweg-Tempo“ als Enduro-Randale, aber genau da passt das Gesamtpaket. Im Markt ist sie für mich die Preis-Leistungs-Ansage gegen Yamaha Ténéré 700, Suzuki V-Strom 800 DE und Triumph Tiger 900: weniger Prestige und Feinsinn, dafür mehr Ausstattung fürs Geld und ein überraschend erwachsener Tourencharakter.
Unterm Helm bleibt bei mir vor allem ein Eindruck: erstaunlich erwachsen und tourenstark, mit echtem Druck aus der Mitte. Sie ist nicht die leichteste oder feinste im Feld, aber sie liefert sehr viel Gegenwert. Wer primär Straße, Reisen und Schotterpisten fährt, bekommt ein rundes Paket. Wer maximale Offroad-Härte oder Premium-Feinschliff sucht, greift eher zur etablierten Konkurrenz.
Im Netz wird die DS900X vor allem als „Ausstattungs-Overkill zum Kampfpreis“ eingeordnet: Viele Tester loben das üppige Serienpaket, die Tourentauglichkeit und den kräftigen Durchzug des 895-cm³-Zweizylinders, der häufig in Nähe zur BMW-F-900-Familie gerückt wird. Gleichzeitig tauchen wiederkehrende Kritikpunkte auf: eine teils ruppige Gasannahme bei niedriger Drehzahl, Modi-Logik und Eingriffe der Elektronik, die in bestimmten Situationen als zu streng empfunden werden, sowie Details wie Schaltergefühl, Keyless-Umsetzung (trotzdem Schlüssel fürs Tanken) und ein Hauptständer, der bei sportlicher Kurvenfahrt früh aufsetzen kann. In Langzeiteindrücken wird zudem positiv erwähnt, dass Verarbeitung und Korrosionsschutz besser sind als viele Vorurteile gegenüber chinesischen Marken vermuten lassen, während „nicht ganz so sophisticated“ im Vergleich zu Triumph Tiger 900 oder BMW F900GS als roter Faden bleibt. Insgesamt lautet der Tenor: extrem viel Motorrad fürs Geld, am stärksten als Reise- und Alltags-ADV, weniger als kompromisslose Offroad- oder Sportwaffe. Quelle ansehen