Elektrische Kraftentfaltung verändert den Charakter dieser Reise-Enduro grundlegend. Statt Drehzahl aufzubauen oder den passenden Gang zu suchen, steht der Vortrieb sofort bereit – dosierbar, leise und mit einem Punch, der beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren beeindruckt. Die 247 Kilogramm lassen sich im Stand nicht wegdiskutieren, während der niedrige Schwerpunkt das Gewicht beim Rollen deutlich besser kaschiert. Auf der Straße wirkt die DSR/X dadurch eher wie ein sportlicher Tourer mit Enduro-Ergonomie als wie eine klassische Offroad-Maschine. Die 180 km/h Höchstgeschwindigkeit machen sie auch auf schnellen Etappen souverän, doch Reichweite und Ladezeiten setzen der spontanen Langstreckenfreiheit Grenzen. Wer täglich pendelt, kurvige Landstraßen liebt und gelegentlich Schotter unter die Räder nimmt, findet hier ein ungewöhnlich eigenständiges Konzept.
In der Stadt reicht ein kurzer Dreh am Gasgriff, und die Zero schiebt lautlos, aber mit Nachdruck nach vorn. Auf der Landstraße fühlt sich die DSR/X zunächst schwer an, doch sobald die ersten Kurven kommen, arbeitet sie erstaunlich präzise: Der tiefe Schwerpunkt hilft beim Einlenken, der Punch am Kurvenausgang ist jederzeit abrufbar, und die Rekuperation lässt sich sauber zum Anbremsen nutzen. Mit 229 Nm Drehmoment wirkt sie beim Überholen fast übermotorisiert, ohne hektisch zu werden. Gegenüber der älteren DSR ist sie deutlich erwachsener, komfortabler und vielseitiger. Im Vergleich zu BMW GS, Ducati Multistrada oder Triumph Tiger fehlt ihr die klassische Motorcharakteristik, während die Energica Experia auf langen Strecken konzeptionell näherkommt. Ihr eigentliches Alleinstellungsmerkmal bleibt jedoch die Kombination aus Reise-Enduro-Sitzposition, souveräner Straßenperformance und nahezu geräuschlosem Antrieb.
Die Zero DSR/X 2026 ist keine elektrische GS-Kopie, sondern eine eigenständige Reise-Enduro mit starkem Charakter. Ihr sofortiger Durchzug, die saubere Traktion und das entspannte Fahren machen sie im Alltag besonders reizvoll. Auf Asphalt spielt sie ihre größten Stärken aus, während Gewicht und Ladeplanung echte Kompromisse bleiben. Für die richtige Zielgruppe ist sie dennoch eine der überzeugendsten Elektro-Motorräder ihrer Klasse.
Die bisherigen Tests zeichnen ein bemerkenswert einheitliches Bild: Auf Asphalt überzeugt die DSR/X mit sehr geschmeidiger Leistungsabgabe, präzisem Handling und starkem Durchzug. Mehrere Tester loben, dass sich der Gasgriff ungewöhnlich natürlich dosieren lässt und die elektrische Antriebstechnik das Fahren in engen Kurven oder im Stop-and-go deutlich vereinfacht. Auch Fahrwerk und Bremsen gelten als stabil und vertrauenerweckend. Im Gelände wird die Zero nicht als kompromisslose Hard-Enduro beschrieben, sondern eher als schwere Reise-Enduro für Schotter, Feldwege und leichte Trails. Kritisch bleiben vor allem das hohe Gewicht, der ambitionierte Preis und die Reichweite bei Autobahntempo oder sportlicher Fahrweise. Insgesamt sehen die Tests eine beeindruckende elektrische Alternative, deren größtes Hindernis weniger die Technik als die notwendige Ladeplanung ist. ([cyclenews.com]) Quellen: cyclenews.com; gearjunkie.com; tomshw.it. Quelle ansehen