Im Stadtverkehr spielt die Zero S ihre stärkste Karte aus: kein Kupplungshebel, kein Schalten, kein Ruckeln – nur sauber dosierbarer Vortrieb und eine sehr direkte Reaktion auf jede Handbewegung. Mit 15 PS Dauerleistung wirkt sie auf dem Papier zurückhaltend, doch der elektrische Punch macht Ampelstarts und enge Ortsdurchfahrten überraschend unterhaltsam. Auf kurvigen Landstraßen gefällt die neutrale Balance, während das Gewicht beim späten Anbremsen und beim Wechsel enger Linien spürbar bleibt. Die Sitzposition ist aufrecht und entspannt, der verfügbare Stauraum erhöht den praktischen Wert deutlich. Gegen eine Yamaha MT-03 oder KTM 390 Duke fehlt ihr die Leichtigkeit, gegen größere Verbrenner-Nakeds der ausdauernde Hochgeschwindigkeitsdruck. Dafür fährt sie sich besonders kultiviert, wartungsarm und im täglichen Einsatz angenehm unkompliziert.
Der erste Eindruck bleibt hängen: Wo bei einem Verbrenner Tank, Ansaugung und Auspuff das Motorrad prägen, trägt die Zero S einen glattgezogenen, fast skulpturalen Technikblock zwischen den Knien. Dazu kommt diese eigentümliche Ruhe, die beim Losfahren sofort in Druck verwandelt wird. Am Gasgriff hängt die S spontan, aber nicht giftig; aus engen Kurven schiebt sie mit 132 Nm so direkt heraus, dass klassische Gangwechsel plötzlich wie ein Umweg wirken. Das Mehrgewicht spürt man beim Rangieren und beim harten Anbremsen, in sauber gefahrenen Radien liegt sie jedoch satt und vertrauenerweckend. Der Pirelli-Grip passt zum erwachsenen Auftritt, während die fehlende akustische Rückmeldung mehr Konzentration an den Bremspunkten verlangt. Gegen eine leichte 400er wirkt sie weniger verspielt, gegen stärkere Naked Bikes weniger schnell, aber als elektrischer Street-Allrounder ist sie bemerkenswert geschlossen.
Wer elektrische Motorräder bisher mit Rollergefühl gleichgesetzt hat, wird von der Zero S korrigiert. Ihr Antritt ist kräftig, die Ergonomie erwachsen und das Fahrverhalten vertrauenswürdig. Das hohe Gewicht und der Preis bleiben die größten Gegenargumente. Für Stadt, Pendelstrecke und kurvige Feierabendrunden ist sie jedoch eine der stimmigeren elektrischen Naked Bikes.
Die bisherigen Tests zeichnen ein erstaunlich einheitliches Bild. 1000PS lobt den kräftigen Antritt, das erwachsene Design, die Alltagstauglichkeit und den Stauraum im Tankbereich. Gleichzeitig werden der hohe Preis, die eher schwache Hinterradbremse, das Fehlen eines frei einstellbaren Tempomaten und die zunächst gewöhnungsbedürftige Fahrdynamik kritisiert. ([1000ps.com]) Fitzroy Motor hebt hervor, dass die Zero trotz ihres hohen Gewichts nicht wie ein technisches Sondergerät fährt, sondern im Alltag überraschend vertraut wirkt. ([fitzroymotor.co.uk]) Ein Langzeittest des Vorgängers bestätigt den starken Punch im normalen Straßenbetrieb, sieht aber bei schnellen Autobahnpassagen und sportlichem Fahren nach oben hin klare Grenzen. ([ultimatemotorcycling.com]) Insgesamt gilt die S damit als überzeugende Pendler- und Feierabendmaschine, weniger als kompromissloser Kurvenjäger. Quelle ansehen