
Kategorie B
Ängste & Unsicherheiten
Anhalten, Berg, Regen, Mut: ehrliche Antworten auf die Fragen, die dir niemand beantwortet. 42 Antworten in 7 Themen.
Wie halte ich an, ohne umzufallen?

Der linke. Warum? Weil deine rechte Hand und dein rechter Fuß die Bremsen bedienen — beide also gerade beschäftigt sind. Du brauchst den linken Fuß zum Abstützen. Erst wenn du wirklich stabil stehst, kannst du auch den rechten Fuß absetzen, wenn du willst.
Kein Drama. Viele schaffen das nicht, vor allem bei kleinerer Körpergröße. Wichtig ist: EIN Fuß steht sicher auf dem Boden (am besten der linke), der andere kann auf der Fußraste bleiben oder nur mit der Fußspitze tippen. Wenn das chronisch unsicher ist, passt vielleicht einfach die Sitzhöhe nicht — unser Berater filtert dir gezielt Motorräder mit niedriger Sitzhöhe, die zu deiner Größe passen.
Ein Fuß reicht: solange er sicher steht und das Motorrad nicht zur falschen Seite kippt. Bei langen Wartezeiten (Ampel) setzen viele beide ab, um die Beine zu entspannen. Im kurzen Stopp im Verkehrsfluss völlig in Ordnung mit nur links.
Lass es fallen. Klingt brutal, ist aber besser als ein gezerrter Muskel oder ein eingeklemmter Fuß. Plastik und Lenkerenden kannst du tauschen, eine gerissene Sehne braucht Monate. Stell dich beim Halten so hin, dass die linke Bike-Seite leicht nach unten neigt — dann fängst du das natürlich ab.
Such dir die ebenste Stelle, die du findest. Stell den Fuß auf der BERG-Seite ab (nicht talwärts!) — sonst ist der Boden weiter weg, als du gedacht hast. Auf richtig schrägem Untergrund: Hinterradbremse durchgehend drücken, 1. Gang drin lassen, nicht entspannt zurücklehnen.
Wie fahre ich am Berg an?

Trick: Hinterradbremse halten, bis du wirklich vorwärts fährst. Du stehst am Berg, 1. Gang ist drin. Mit dem rechten Fuß drückst du das Bremspedal, mit der linken Hand lässt du langsam die Kupplung kommen, gleichzeitig gibst du sanft Gas. Sobald du spürst, dass die Kupplung „greift" und das Motorrad nach vorne will, löst du die Hinterradbremse — und ab geht's.
Hinterrad. Die rechte Hand brauchst du fürs Gas — also kann sie nicht gleichzeitig den Vorderradhebel halten. Mit dem rechten Fuß auf der Hinterradbremse stehst du sicher, die rechte Hand übernimmt Gas, die linke die Kupplung. So sind alle vier Glieder klug aufgeteilt.
Ruhig bleiben. Falls der wirklich extrem dicht auffährt: kurz hupen, das wirkt meistens. Ansonsten: Hinterradbremse fest halten, bis du sauber anfährst wie geübt — so rollst du gar nicht oder nur minimal zurück. Verlass dich nicht darauf, dass hinter dir genug Platz ist: Halte den Abstand selbst, indem du erst löst, wenn die Kupplung greift.
Erst auf der Ebene üben! Such dir einen leeren Parkplatz, fahre ganz langsam an, spüre genau, wo deine Kupplung „greift". Das ist meistens im letzten Drittel des Hebelwegs. Wenn du das im Schlaf kannst, klappt's auch am Berg. Für die nächste Steigerung findest du mit dem NBNL-Routen-Planer leicht hügelige Übungsstrecken in deiner Nähe.
Was ist beim Motorradfahren für Frauen wichtig?

Nein. Motorradfahren ist Technik, keine Muskelarbeit. Eine 1,55-m-Frau mit 55 kg fährt locker eine schwere BMW GS — die Kunst liegt in der Balance, nicht im Bizeps. Selbst das Aufrichten eines umgefallenen Bikes geht über die richtige Hebeltechnik, nicht über Kraft. Spoiler: Frauen verursachen statistisch sogar deutlich WENIGER schwere Unfälle als Männer.
Sehr unwahrscheinlich. Es gibt Motorräder mit Sitzhöhen ab 68 cm — passend auch für 1,55 m und drunter. Wichtiger als beide Füße flach auf dem Boden: dass du EINEN Fuß sicher abstellen kannst. Sag unserem [Berater](/berater) einfach deine Körpergröße und Schrittlänge — er filtert dir passende Modelle. Niedrige Cruiser, kompakte Retros, viele Roller — Auswahl ist da.
Ja. Es gibt eine Technik dafür: Du stellst dich mit dem Rücken zum Sitz, fasst Lenker und Sitzgriff, drückst dich mit den BEINEN (nicht dem Rücken!) hoch — wie beim Kniebeugen-Aufstehen. Auf YouTube gibt's gute Tutorials. Selbst eine 250-kg-Maschine kommt damit hoch, auch wenn du 55 kg wiegst. Wirklich.
Manchmal — leider. Es gibt Händler, die Frauen automatisch zur „kleinen Einsteiger-Maschine" lotsen, obwohl du klare Vorstellungen hast. Tipp: Geh mit konkreten Fragen rein, lass dich nicht runterreden. Wenn der Verkäufer respektlos wird — Laden wechseln. Es gibt genug Händler, die professionell beraten. Vorher mit dem Berater eine Vorauswahl machen hilft, weil du dann nicht „beraten" werden MUSST.
Ja, deutlich mehr als noch vor 10 Jahren. Praktisch alle Hersteller haben Frauen-Linien für Jacken, Hosen und Stiefel — mit anderen Schnitten (engere Taille, mehr Hüfte, kürzere Ärmel). Pass nur auf, dass es echte Frauen-Schnitte sind und nicht nur „Damen-Optik" auf Männerschnitt. Helme sind unisex, kleinere Kopfformen findest du gut bei Shoei oder Arai.
Lieber nicht. Klingt hart, ist aber Erfahrungswert: Partner taugen meistens nicht als Fahrlehrer. Sie werden ungeduldig, du wirst trotzig, ihr streitet — und am Ende will keiner mehr Motorrad fahren. Besser: Fahrschule, Sicherheitstraining oder eine erfahrene Bikerin als Mentorin. Mit dem Partner ZUSAMMEN fahren ist großartig. Mit ihm LERNEN — eher nicht. Über die NBNL-Community oder den Tour-Buddy findest du Bikerinnen in deiner Region, die mit dir entspannte Trainings-Runden drehen.
Wie fahre ich sicher bei Regen und schlechtem Wetter?

Ja. Motorräder fahren bei Regen — du musst dich nur anpassen. Voraussetzungen: Regenkleidung oder wasserdichte Textilkombi, Reifen mit ausreichend Profil, etwas Vorsicht. Als Anfängerin oder Anfänger: die ersten Wochen lieber trocken bleiben, dann gezielt mal eine kurze Strecke bei leichtem Regen üben. Mit dem [NBNL-Routenplaner](/routenplaner) inkl. Wetter-Check entlang der Route weißt du vorher, ob's wirklich nass wird.
Weil auf der Straße ein dünner Film aus Staub, Diesel und Reifenabrieb liegt — beim ersten Regen vermischt sich der mit Wasser zu einer Schmierseife. Nach 20–30 Minuten Regen ist das abgewaschen, dann hast du wieder „normalen" Nass-Asphalt. Faustregel: Nach längerer Trockenzeit sind die ersten 30 Regen-Minuten besonders heikel.
Bremsweg ungefähr 1,5- bis 2-mal so lang wie trocken. Lösung: viel früher anfangen zu bremsen, sanfter dosieren, beide Bremsen gleichmäßig benutzen. Modernes ABS rettet dich auch hier, wenn du doch mal zu hektisch wirst. Nie abrupt in die Bremse beißen — das war's dann.
Aufrechter, langsamer, sanfter. Schräglage etwa halbieren, Tempo runter, Gas- und Bremsbewegungen butterweich machen. Ruckartige Aktionen, die trocken okay sind, lassen dich nass weggrutschen. Mantra: alles eine Spur sanfter.
Auf dem Motorrad seltener als beim Auto, weil deine Reifen schmaler sind und Wasser besser verdrängen. Aber: In stehendem Wasser (Pfütze, Spurrille) kannst du kurz die Haftung verlieren. Reaktion: Gas wegnehmen, NICHT bremsen, geradeaus rollen lassen, bis du wieder Grip hast. Hektisch reagieren = Sturz.
Fahrbahnmarkierungen (weiße Streifen, Zebrastreifen, Stoppschilder am Boden) — extrem rutschig nass. Außerdem: Kanaldeckel, Schienen, Bahnübergänge, frisch geteerte Stellen. Tipp: Stell dein Rad beim Bremsen oder Abbiegen so, dass es NICHT genau auf einem Streifen steht. Wird schnell Reflex.
Nicht in Panik weiterfahren. Such dir Schutz — Tankstelle, Brücke, Überdachung — und warte das Schlimmste ab. Hagel kann übel werden, dann definitiv unterstellen. Vorbeugend: mit dem [NBNL-Routenplaner](/routenplaner) den Wetter-Check entlang deiner Strecke machen, bevor du losfährst — dann überrascht dich kein Wolkenbruch. Bei großer Hitze oder Kälte siehe K8 – Fahren bei Hitze, K7 – Fahren bei Kälte und K9 – Ab wie viel Grad fahren?.
Wie überwinde ich Angst beim Motorradfahren?

Diese Frage stellen sich ALLE — auch Bikerinnen und Biker, die später 20 Jahre fahren. Wenn du Lust drauf hast, neugierig bist und bereit, dich Schritt für Schritt zu trauen: ja, du bist der Typ. Es gibt keinen „geborenen Biker". Jede und jeder hat angefangen, geschwitzt, gezittert, sich gefreut. Du auch.
Klein anfangen. Kurze Fahrten in vertrauter Umgebung, keine Überforderung. Such dir mit den [NBNL Best Tracks](/strecken) gezielt einfache, kurvenarme Anfänger-Strecken zum Eingewöhnen. Wenn das Bauchweh auch nach Monaten nicht weniger wird: Sicherheitstraining buchen — Beherrschung tötet Angst zuverlässig.
Schrittweise. Such dir einen leeren Parkplatz, fahre Kreise, immer enger. Spüre, wie das Motorrad sich neigt — und merke, dass nichts passiert. Dann eine vertraute Landstraße: dieselbe Kurve fünfmal fahren, jedes Mal einen Hauch beherzter. Die Angst weicht der Erfahrung. Garantiert.
Erst, wenn du KEINE Freude mehr hast. Angst allein ist kein Grund — die ist normal und verschwindet meist mit Übung. Aber wenn du dich nach jeder Fahrt elend fühlst und dich aufs nächste Mal NICHT mehr freust: Pause machen. Vielleicht später nochmal probieren. Es gibt kein „muss".
Anhalten, durchatmen, kurz reflektieren: Was war's? Zu schnell? Zu hektisch? Schlechte Stelle? Nicht sofort weiterfahren — gib dir ein paar Minuten. Dann eine einfache Strecke, an dem Tag keine Experimente mehr. Über Nacht setzt sich das Erlebnis. Am nächsten Tag fährst du klüger als am Tag davor. Wer aus echten Beinahe-Stürzen anderer lernen will: Die NBNL-Unfall-Reports sammeln rekonstruierte Anfänger-Unfälle inklusive Was-hätte-man-anders-machen-können.
Nein. Es gibt 60-jährige Anfängerinnen und Anfänger, die heute glücklich fahren. Was zählt: gute Gesundheit (Reaktion, Sehkraft, Beweglichkeit), Lernbereitschaft, ein bisschen Geduld. Tatsächlich sind ältere Anfängerinnen und Anfänger oft die BESSEREN Schülerinnen und Schüler, weil sie selbstkritischer und weniger waghalsig sind. Statistisch verursachen sie deutlich weniger Unfälle als junge Männer.
Es gibt kein gesetzliches Höchstalter — weder für den Erwerb noch für den Besitz der Klassen A1, A2 und A. In Deutschland musst du als Seniorin oder Senior keine Pflicht-Nachprüfung ablegen; die Fahreignung wird nur bei konkreten Zweifeln (Erkrankung, Auffälligkeiten) überprüft. Auch die ab 2026 diskutierten EU-Regeln bringen keine starre Altersgrenze.
Die echten Grenzen sind körperlich, nicht juristisch: Sehkraft, Reaktion, Beweglichkeit und Kraft, um das Bike zu halten und aufzubocken. Wer hier ehrlich mit sich ist — notfalls ein leichteres Motorrad, niedrigere Sitzhöhe, regelmäßiger Sehtest — fährt oft bis ins hohe Alter sicher; Ältere verursachen statistisch sehr wenige Unfälle. Versicherungsseitig zahlen vor allem junge Fahrerinnen und Fahrer viel; hohes Alter ist normalerweise kein Ausschlussgrund, kann den Beitrag je nach Tarif aber leicht beeinflussen.
Die Grundmotorik (Kuppeln, Schalten, Bremsen, Blickführung) sitzt im Muskelgedächtnis und ist schnell wieder da. Was wirklich einrostet, sind Feingefühl, Routine und Selbstvertrauen — und genau das holst du dir behutsam zurück. Häufige Gründe für eine Pause: Familie, Beruf, ein Sturz oder Schreckmoment, Geld oder einfach eine längere Zeit ohne passendes Bike.
So klappt der Wiedereinstieg: klein anfangen (leerer Parkplatz, Grundübungen wie in C1 — Wo und wie übe ich?), erste Runden bei gutem Wetter und ohne Zeitdruck, und das Bike vorher technisch prüfen lassen (Reifenalter!, Bremsen — siehe I4 — Was checke ich vor jeder Fahrt?). Am meisten bringt ein Wiedereinsteiger- oder Aufbauseminar (ADAC, Verkehrswachten, Fahrschulen): ein Tag auf abgesperrtem Platz — und das Vertrauen ist zurück.
Wie weit kann ich überhaupt in Schräglage gehen?

Schräglagenangst gehört zu den hartnäckigsten Bremsen im Kopf jeder Anfängerin und jedes Anfängers. Du weißt rational, dass das Motorrad mehr aushält, als du dich traust — und trotzdem schreit irgendwo dein Bauch „Stopp!" lange bevor irgendwas an die Grenze kommt.
Weil dein Gehirn evolutionär nicht aufs Motorradfahren ausgelegt ist. Aufrechtes Stehen ist Sicherheit, Schräglage ist Sturzbedrohung — so liest dein Innenohr das. Viele Anfängerinnen und Anfänger empfinden schon 20° als beunruhigend, obwohl moderne Reifen auf trockenem Asphalt locker 45° bis 50° vertragen — und Profis auf der Rennstrecke deutlich darüber hinausgehen.
Drei Dinge:
- Grip zwischen Reifen und Straße — Reifenmischung, Reifentemperatur, Profil, Luftdruck, Belag
- Aufsetzende Bauteile wie Fußrasten, Auspuff, Seitenständer — die kratzen lange bevor der Reifen wegrutscht
- Du selbst — Erfahrung, Vertrauen, Trainingszustand
Der Reifen ist meist das geringste Problem. Bei trockenem Sommerasphalt ist die Haftung so hoch, dass du eher Bauteile aufsetzen hörst oder dich vom Mut verlassen fühlst, als dass tatsächlich was rutscht.
Das Motorrad meldet dir den Grenzbereich klar: Fußraste schleift, Kanten kratzen, der Reifen wandert kurz. Das ist eine deutliche Warnung, kein Sturz. Wer das einmal in einer kontrollierten Umgebung erlebt hat — z. B. in einem Fahrsicherheitstraining — verliert einen großen Teil der Angst.
Schritt für Schritt:
- Trockener Tag, warme Reifen, bekannter Asphalt. Niemals Schräglage steigern, wenn es regnet, kalt ist oder du auf glatten Belag stößt
- Eine schöne, übersichtliche Kurve aussuchen und immer wieder durchfahren — bei jeder Runde ein paar Grad mehr
- Blick zum Kurvenausgang richten (siehe A6). Wo der Blick hingeht, geht das Bike hin, und das Vertrauen wächst mit
- Knie raus oder rein ausprobieren. Manche fühlen sich mit Knieschluss am Tank sicherer, andere mit leicht abgespreiztem Knie. Beides ist okay
- Niemals in der Schräglage hart bremsen. Das stellt das Motorrad auf, und du landest in der Außenkurve
Auf der Straße meistens nicht. Sich aus dem Sattel zu hängen wie ein Moto-GP-Profi spart zwar etwas Schräglage, kostet aber viel Kraft und sieht eher peinlich aus, wenn man's nicht beherrscht. Für den Landstraßenalltag genügt der klassische Stil: Oberkörper folgt der Maschine, Blick weit voraus, leichter Hüftknick zur Kurveninnenseite.
Dann hilft kein Reden, sondern nur kontrolliertes Training. Ein Tag auf einem Fahrsicherheitsplatz baut mehr Vertrauen auf als 100 Vorträge. Du fährst dort in geschütztem Rahmen genau die Schräglagen, vor denen du dich auf der Landstraße fürchtest — und erlebst, wie viel Reserve da noch ist. Siehe C6 – Fahrsicherheitstraining.
Alkohol und Motorradfahren — auch ein Bierchen in der Mittagspause?

Kurze Antwort: lieber nicht. Lange Antwort folgt — denn auf zwei Rädern wirkt Alkohol anders als am Steuer eines Autos, und die Konsequenzen sind oft härter.
In Deutschland gelten für motorisierte Zweiräder dieselben Promille-Grenzen wie für Autos:
- 0,0 ‰ für Fahranfängerinnen in der Probezeit (zwei Jahre nach Führerschein-Erteilung) und für alle unter 21 Jahren — nach § 24c StVG
- 0,3 ‰ — relative Fahruntüchtigkeit: wenn du Auffälligkeiten zeigst (Schlenker, Reaktionsfehler, Unfall), drohen Strafanzeige nach § 316 StGB, Geldstrafe, Führerscheinentzug
- 0,5 ‰ — Ordnungswidrigkeit: Bußgeld ab 500 Euro, 2 Punkte in Flensburg, mindestens 1 Monat Fahrverbot nach § 24a StVG
- 1,1 ‰ — absolute Fahruntüchtigkeit: automatische Straftat nach § 316 StGB — Geldstrafe oder Freiheitsstrafe, Führerscheinentzug, MPU („Idiotentest") wahrscheinlich
Motorradfahren verlangt mehr feine Sensomotorik als Autofahren — und genau die wird durch Alkohol als Erstes beeinträchtigt:
- Gleichgewicht geht schon ab geringen Mengen verloren — kritisch im Schritttempo, beim Anhalten und in der Kurve
- Reaktionszeit verlängert sich messbar ab 0,2 ‰ — bei Tempo 100 sind das schnell mehrere Meter extra Bremsweg
- Periphere Wahrnehmung schrumpft — der Linksabbieger im Augenwinkel wird zu spät bemerkt
- Risikoeinschätzung verschiebt sich nach oben („Ach, geht schon") — gerade fatal, weil Motorradfahrer ohnehin am Limit fahren
- Müdigkeit verstärkt sich — Sommerhitze, Helm, Wind und ein Bier addieren sich
- Konzentration auf zwei Räder wird durch jeden Schluck schwieriger, weil ein Großteil deiner Aufmerksamkeit fürs Balancieren draufgeht
„Ein Bier zur Pause schadet doch nicht?"
Doch — und nicht so wenig, wie viele glauben. Ein 0,5-Liter-Bier (5 %) bringt bei einer 70-kg-Person rund 0,3–0,4 ‰ Blutalkohol, bei einer 55-kg-Person sogar 0,4–0,5 ‰. Bei dem Rest, mit dem du nach dem Mittagessen aufs Bike steigst, bist du also schon im Grenzbereich — und wenn dich dabei was passiert (Schreckbremsung, Schlenker), greift sofort die relative Fahruntüchtigkeit.
Dazu kommt: Bei Wärme, leerem Magen und körperlicher Anstrengung steigt der Promillewert schneller und bleibt länger oben.
Hier wird's richtig unangenehm. Bei Unfall unter Alkoholeinfluss:
- Haftpflicht zahlt zunächst den Schaden Dritter, fordert dich dann aber persönlich in Regress — oft bis 5.000 € oder mehr
- Kasko-Versicherung (Teil- oder Vollkasko) kann Leistung vollständig verweigern, wenn du grob fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt hast — und Alkohol gilt als grobe Fahrlässigkeit
- Bei Personenschaden und Promille drohen zivilrechtliche Forderungen, die dich ein Leben lang verfolgen können
Das heißt konkret: Wer mit 0,7 ‰ in einen Unfall verwickelt ist und einen anderen verletzt, kann finanziell ruiniert sein — egal ob die Sache rechtlich „nur" eine Ordnungswidrigkeit war.
Restalkohol am nächsten Morgen
Faustregel: Der Körper baut pro Stunde etwa 0,1–0,15 ‰ ab. Wer abends bei 1,8 ‰ ankommt und um 6 Uhr aufs Bike will, ist um 7 Uhr morgens noch bei rund 0,5–0,7 ‰ — und damit immer noch fahruntauglich. Mindestens 8–10 Stunden Schlaf plus Wasser, Frühstück und idealerweise ein paar Stunden Wachzeit, bevor du dich auf zwei Räder setzt.
Wenn du am Morgen noch leicht groggy bist, fahr nicht. Kein Bike, kein Auto, gar nichts.
- Cannabis / THC: seit der Cannabis-Legalisierung 2024 gilt für aktives THC im Blut ein Grenzwert von 3,5 ng/ml (Stand 2026, ohne Gewähr), darüber drohen Bußgeld, Punkte und Fahrverbot. Wichtig für Fahranfänger: In der Probezeit und für alle unter 21 Jahren gilt — wie beim Alkohol — ein absolutes Cannabis-Verbot am Steuer (§ 24c StVG). Cannabis hat eine lange Halbwertszeit — auch Tage nach dem Konsum kann der Wert noch zu hoch sein
- Medikamente mit Warnhinweis auf der Packung („Beeinträchtigt die Fahrtüchtigkeit") — keine Diskussion, nicht fahren. Antihistaminika, starke Schmerzmittel, Beruhigungsmittel, Schlafmittel
- Stimulanzien wie Amphetamine: höhere Risikoaufnahme, Konzentrationseinbrüche nach Wirkungsende — generell unzulässig nach § 24a Abs. 2 StVG
Unterschätzte Falle. Für Medikamente gibt es keinen festen Grenzwert wie beim Alkohol — harmlos ist das aber nicht: Wer durch ein Medikament fahruntüchtig wird, erfüllt denselben Straftatbestand wie eine betrunkene Person (§ 316 StGB, Trunkenheit im Verkehr) — ganz ohne Promillezahl. Kommt eine konkrete Gefährdung dazu, greift § 315c StGB. Mögliche Folgen: Geldstrafe oder Freiheitsstrafe, Führerscheinentzug, Sperrfrist, MPU — und die Versicherung kann Regress nehmen, du bleibst dann auf dem Schaden sitzen.
Besonders heikel sind starke Schmerzmittel (Opioide wie Tilidin oder Tramadol), Beruhigungs- und Schlafmittel sowie manche Antihistaminika: Sie machen müde, verlangsamen die Reaktion und vernebeln die Wahrnehmung. Vor jeder Fahrt gilt deshalb: Beipackzettel lesen, im Zweifel Arzt oder Apotheker fragen — du bist selbst dafür verantwortlich, fahrtüchtig aufs Bike zu steigen (§ 2 FeV).
Aus der Praxis: Einmal direkt nach einer Zahn-OP unter starken Schmerzmitteln gefahren — nie wieder. Man sieht die Welt wie durch einen Schleier, alles kommt zeitlich verzögert an, die Gefühle sind gedämpft. Auf dem Motorrad, wo Sekundenbruchteile und Feingefühl zählen, sind das denkbar schlechte Voraussetzungen. Im Zweifel: Bike stehen lassen, Bahn oder Taxi nehmen.
- Alkoholfreies Bier — wenn der Geschmack zählt, gibt's mittlerweile sehr gute alkoholfreie Varianten. Achtung: „alkoholfrei" enthält in DE bis zu 0,5 % Restalkohol — bei mehreren Flaschen kann sich das messbar summieren. Komplett 0,0 % auf dem Etikett ist die sicherste Wahl
- Apfelschorle, Wasser, Saft — am besten 0,5 l pro Stunde Sommertour
- Espresso oder Energydrink in Maßen, wenn du müde wirst — nicht als Alkohol-Ersatz, sondern weil Müdigkeit am Bike auch tödlich ist
- Richtig essen — Kohlenhydrate plus etwas Protein, nicht zu fett. Mehr in K4 – Fitness fürs Motorradfahren
Die ehrliche Empfehlung
Wenn du am Bike sitzen willst: 0,0 ‰, Punkt. Das ist nicht prüde, sondern Pragmatismus. Die deutsche 0,5-Promille-Grenze ist eine rechtliche Toleranz, keine sicherheitstechnische Empfehlung. Auf zwei Rädern verschiebt sich diese Grenze nach unten — und der Preis für einen Fehler ist deutlich höher als beim Auto, weil du keine Knautschzone hast (mehr dazu in J3 – Typische Anfänger-Unfälle).
Wenn du nach der Tour ein Bier willst: gerne. Aber dann steht das Bike auf dem Parkplatz, und du nimmst Bus, Taxi oder dein Bike wird abgeholt.