A.5.5 · Wie fährt man Kurven richtig?
Wo soll ich in der Kurve hinschauen — was ist die richtige Blickführung?
Dort, wo du HIN willst — also durch die Kurve hindurch, zum Kurvenausgang. Niemals direkt auf den Boden vor dem Vorderrad und niemals auf ein Hindernis, das dir Angst macht. „Wo du hinschaust, da fährst du hin" ist DIE wichtigste Regel im Kurvenfahren. Klingt wie ein Spruch, ist aber harte Physik plus Reflex: dein Körper richtet das Bike unbewusst auf die Linie aus, die deine Augen vorgeben.
Konkret in drei Stufen — die „Blick-Treppe":
Vor der Kurve (Einleitung): Schon 30–50 Meter vor dem Kurveneingang den Blick durch die Kurve werfen — wo ist der Scheitelpunkt, wo der Ausgang? Tempo und Gang entsprechend wählen, vor der Kurve bremsen (siehe A3 — Wie bremst man richtig?).
Im Kurveneingang: Kopf bewusst drehen, nicht nur die Augen — der Hals schaut in die Kurve hinein. Schulter folgt dem Kopf, der Körper neigt natürlich mit dem Motorrad mit. Blick auf den Scheitelpunkt (engster Punkt der Kurve).
Ab dem Scheitelpunkt: Sofort weiter zum Kurvenausgang schauen — die nächsten 50–100 Meter sind dein Blickziel. Damit beschleunigst du sauber aus der Kurve raus und richtest das Bike automatisch wieder auf.
Typische Anfänger-Fehler bei der Blickführung:
Blick auf das Vorderrad / den Asphalt direkt vor dir: Bike wird zappelig, jede Bodenwelle erschreckt dich, die Kurve fühlt sich enger an als sie ist.
Blick auf die Außenseite / Leitplanke / Gegenfahrbahn: Du fährst genau dorthin — Ergebnis: zu weit ausgeschwenkt, im schlimmsten Fall in den Gegenverkehr.
Blick auf ein Hindernis (Schlagloch, Tier, parkendes Auto): Du fährst drauf zu (sog. „Target Fixation"). Bewusst am Hindernis vorbei schauen, nicht drauf.
Augen wandern statt Kopf: der Körper folgt dem Kopf, nicht den Augen — Kopf aktiv mitdrehen.