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D.8.3 · Wie fahre ich Alpenpässe und Serpentinen?

Was, wenn ich nicht ganz rumkomme?

Erste Regel: Nicht panisch werden. Optionen:

- Aufrichten, langsam ausrollen lassen, dann erneut anlenken. Solange du noch Tempo hast, kannst du die Linie korrigieren

- Mit dem Fuß auf den Boden, falls du wirklich stehen bleibst — nicht schön, aber okay

- Im Notfall am Außenrand stehen bleiben und das Bike per Hand zurückschieben

Lkw und Busse in engen Kehren

In den Alpen begegnen dir Reisebusse, Lkw, Wohnmobile — und die brauchen die ganze Fahrbahnbreite. Selbst auf abgelegenen Pässen. Strategie:

- In Rechtskehren weit innen bleiben. Wer mittig oder außen fährt, lebt gefährlich

- In Linkskehren nicht über die Mitte schwenken. Bevor du in die Kurve eintauchst, prüfen, ob du oben oder unten die ganze Strecke einsehen kannst

- Vor unübersichtlichen Kurven mal hupen — auf Passstraßen ist das üblich, und Lkw-Fahrer rechnen damit

- Hörbar fahren. Höhere Drehzahl als sonst macht dich akustisch bemerkbar — kein Geheim-Tipp, einfach Realität

Kalte Reifen in der Höhe

In Höhenlagen über 1500 Meter wird die Luft kühler, der Asphalt auch. Selbst im Sommer können Reifen auf nicht mehr 35 °C kommen, sondern auf 25–30 °C, vor allem morgens. Reduzierter Grip ist die Folge.

- Erste Kehren langsam angehen — Reifen warmfahren mit moderaten Schräglagen

- Keine schnellen Schräglagenwechsel in den ersten 10 Minuten nach einer Pause

- Auf nasse Stellen achten — Schmelzwasser, Schatten, schnell aufkommende Nebelbänke

Polierter Asphalt in Kurven

Viele Pässe haben in ihren Kehren glatt polierten Asphalt, weil Auto- und Bus-Reifen die Mikrostruktur über Jahre weggeschliffen haben. Bei Trockenheit nicht dramatisch, bei Nässe massiv weniger Grip. Faustregel: Je beliebter der Pass, desto polierter die Kurven.

Bergab fahren — die Bremsweg-Falle

Im Gefälle wird der Bremsweg deutlich länger, weil die Schwerkraft mitarbeitet. Auf 18 % Gefälle (typisches Bergpass-Niveau) brauchst du aus 100 km/h locker 5–10 Meter mehr als auf der Ebene. Strategie:

- Motorbremse nutzen. In einem niedrigen Gang fahren, sodass der Motor das Bike verzögert. Mehr in A3 – Wie bremst man richtig?

- Vorderradbremse sparsam. Wenn die Bremsscheiben heiß werden, lässt die Bremsleistung nach („Fading")

- Pausen einlegen. Nach einer langen Abfahrt 5 Minuten stehen, Bremsen abkühlen lassen, ehe du wieder ans Gas gehst

Pausen sind Pflicht

Auf Alpenpässen ermüdest du schneller als auf der Autobahn — Konzentration, Schräglagenwechsel, Höhenluft, ständige Blickführung. Plan alle 1–1,5 Stunden eine Pause ein, trink Wasser, iss was. Mehr Tipps zur Tour-Vorbereitung in K1 und K4 – Fitness fürs Motorradfahren.

Wenn du das erste Mal in die Alpen fährst

- Wähle eine ruhige Strecke zum Üben. Pässe wie der Großglockner sind toll, aber überfüllt. Stattdessen: weniger frequentierte Pässe in Südtirol, Frankreich, Slowenien

- Fahre früh. Morgens zwischen 7 und 10 Uhr sind die Pässe leer

- Nicht alleine. Mit einer routinierten Person als Scout lernst du am besten — siehe E5 – Wie fährt man richtig in der Gruppe?

- Erst ein Sicherheitstraining, dann die Alpen. Wer Kehren auf dem Verkehrsübungsplatz geübt hat, ist im Gebirge deutlich entspannter. Siehe C6

Für die Routenplanung selbst findest du im Routenplaner passende Alpen-Klassiker mit Höhenprofil und Schwierigkeit.

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