Mit ihrem klassischen Auftritt zielt die Cromwell 1200 X direkt auf Fahrer, denen ein Motorrad mehr als nur Tempo liefern soll. Der flüssigkeitsgekühlte Zweizylinder entwickelt aus niedrigen Drehzahlen kräftigen Schub und bleibt dabei kultiviert, sodass Überholmanöver ebenso entspannt gelingen wie das Herausbeschleunigen aus engen Kehren. Die 235 Kilogramm spürt man beim Schieben und beim langsamen Wenden, auf der Landstraße verliert sich dieser Eindruck jedoch schnell: Der 18-Zoll-Vorderreifen läuft stabil, die KYB-Federelemente filtern schlechte Asphaltstellen ordentlich und die Nissin-Bremsanlage liefert einen klaren, gut kontrollierbaren Druckpunkt. Im Sport-Modus reagiert das Ride-by-Wire direkter, während Eco den Antritt etwas sanfter gestaltet. Damit verbindet die Brixton die lässige Gangart einer Bonneville mit moderner Elektronik und einem eigenständigen, weniger polierten Charakter. Für echte Offroad-Einsätze fehlen allerdings Bodenfreiheit, Schutz und die passende Bereifung; das X steht hier eher für robuste Optik als für Enduro-Ehrgeiz.
Der breite Tank, die Speichenräder und dieser dunkle, satte Auspuffton bleiben sofort hängen. Die Cromwell 1200 X wirkt nicht wie eine Retro-Kulisse, sondern wie ein echtes Motorrad mit bewusst reduziertem Auftritt. Beim Anfahren liefert der Zweizylinder ordentlich Punch, ohne hektisch zu werden; besonders aus engen Kurven heraus schiebt er souverän und angenehm druckvoll. Die Sitzposition ist aufrecht, der Lenker gibt Kontrolle, und der 18-Zoll-Vorderreifen führt sauber durch lange Bögen. Mit 235 Kilogramm verlangt sie beim Rangieren etwas Nachdruck, fährt sich in Bewegung aber deutlich handlicher, als die Masse vermuten lässt. Die Bremsen lassen sich gut dosieren, das Fahrwerk bleibt komfortabel und vermittelt trotzdem genug Ruhe für zügige Landstraßen. Gegen Triumph Bonneville T120 und Kawasaki Z900RS fehlt etwas Markenprestige, dafür punktet die Brixton mit eigenständigem Stil, üppiger Ausstattung und einem sehr charaktervollen Preis-Leistungs-Verhältnis.
Wer eine klassische Maschine mit kräftigem Motor, entspannter Ergonomie und moderner Sicherheitsausstattung sucht, findet in der Cromwell 1200 X eine ungewöhnlich eigenständige Option. Sie fährt sich souverän, klingt charaktervoll und kann auf kurvigen Landstraßen richtig Spaß machen. Gewicht, mäßige Sportlichkeit und das noch nicht etablierte Markenimage bleiben die größten Gegenargumente. Als Alternative zur Triumph Bonneville ist sie besonders dann interessant, wenn Stil und Ausstattung wichtiger sind als Prestige.
Die internationalen Tests zeichnen ein bemerkenswert einheitliches Bild. Gelobt werden vor allem das eigenständige Erscheinungsbild, der kräftige und linear ansprechende Zweizylinder sowie die umfangreiche Ausstattung mit Fahrmodi, Traktionskontrolle, Tempomat und TFT-Anzeige. Mehrere Tester beschreiben die Cromwell als komfortabel, intuitiv und eher auf genussvolles Kurvenfahren als auf aggressive Jagd nach Schräglage ausgelegt. Auch die Nissin-Bremsen und das KYB-Fahrwerk schneiden überwiegend positiv ab. Kritischer beurteilt werden das hohe Gewicht beim Rangieren, die teils gewöhnungsbedürftige Kupplungs- beziehungsweise Gasannahme und die weniger sportliche Präzision im Vergleich zu etablierten Konkurrenten. Besitzermeinungen bestätigen den starken Motor und die angenehme Alltagstauglichkeit, nennen aber vereinzelt Verbesserungsbedarf bei Fahrwerk und Bremsgefühl. Insgesamt gilt die Brixton als attraktive, preisbewusste Alternative zur Triumph Bonneville, muss sich beim Markenvertrauen jedoch erst langfristig beweisen. Quelle ansehen