Mit 599 cm³, 121 PS und 193 Kilogramm fahrfertigem Gewicht bleibt die CBR600RR dem klassischen Supersport-Rezept treu: kompakter Vierzylinder, scharfes Fahrwerk und möglichst viel Kontrolle zwischen den Kurven. Der Punch kommt nicht aus dem Keller, sondern aus der oberen Drehzahlhälfte, wo der Motor seine eigentliche Persönlichkeit entwickelt und beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren immer gieriger wird. Eine moderne Elektronikarchitektur mit Fahrmodi, Traktionskontrolle, Quickshifter und elektronischem Lenkungsdämpfer macht die Honda beherrschbarer, ohne ihren mechanischen Kern zu überdecken. Die Sitzposition verlangt Einsatz, das Fahrwerk belohnt dafür saubere Linien und präzise Lastwechsel. Gegen stärkere 1000er wirkt sie weniger einschüchternd, gegen komfortablere Mittelklasse-Sportler deutlich kompromissloser.
Auf der kurvigen Landstraße zeigt die CBR600RR sofort, wofür sie gebaut ist: spät bremsen, sauber einlenken, Scheitelpunkt treffen und den Reihenvierzylinder bis weit über 10.000 U/min ausquetschen. Der Motor wirkt unterhalb der Mitte beinahe höflich, verwandelt sich oben jedoch in eine kreischende, präzise Druckmaschine. Dabei bleibt das Fahrwerk erstaunlich neutral und vermittelt viel Vertrauen, ohne die Rückmeldung am Vorderrad zu verwässern. Die Bremsen liefern einen klaren Druckpunkt und erlauben sehr kontrollierte Bremspunkte. Gegen eine stärkere, aber oft forderndere Literklasse wirkt sie zugänglicher; gegenüber einer ZX-6R fährt sie weniger aggressiv, dafür typisch Honda ausbalanciert. Im Alltag stören die enge Ergonomie und die Hitze im Stop-and-go, doch auf meiner Lieblingsstrecke zählt vor allem: Diese Honda macht aus Geschwindigkeit eine technische Aufgabe – und genau darin liegt ihr Reiz.
Die Honda CBR600RR ist kein bequemes Alltagsmotorrad, sondern eine ehrliche Supersportlerin mit klassischem Vierzylinder-Charakter. Ihre 121 PS wollen Drehzahl, belohnen dann aber mit feinem Ansprechverhalten und echtem Rennsportgefühl. Wer Kurvenpräzision, starke Bremsen und hohe Drehzahlen liebt, findet hier eine der stimmigsten verbliebenen 600er. Für gemütliche Touren gibt es passendere Hondas.
Die verfügbaren Tests zeichnen ein sehr einheitliches Bild. Gelobt werden vor allem das präzise Handling, die kräftigen und gut dosierbaren Bremsen sowie der zuverlässige Quickshifter. Die CBR600RR wird als emotionaler Supersportler beschrieben, der seine Stärken auf kurvigen Landstraßen und der Rennstrecke ausspielt. Gleichzeitig kritisieren mehrere Stimmen, dass unterhalb hoher Drehzahlen wenig Druck anliegt und die Maschine im Stadtverkehr Hitze entwickelt. Auch die sportlich enge Sitzposition wird nicht jedem Fahrer gefallen. Die Einschätzungen aus Deutschland, Großbritannien und den USA sehen die Honda deshalb weniger als unkomplizierten Allrounder, sondern als bewusst fokussierte 600er mit klassischem Hochdrehzahl-Charakter. Die Elektronik wird grundsätzlich positiv bewertet, kann auf trockener Strecke für erfahrene Fahrer aber etwas zurückhaltend wirken. ([motorradtest.de]) Quellen: powersports.honda.com; motorradtest.de; powersports.honda.com. Quelle ansehen