Mit ihrem 561-cm³-Vierzylinder geht die SRV 600 V einen ungewöhnlichen Weg und grenzt sich klar von den üblichen Zweizylinder-Cruisern ab. Die 69,3 PS wirken nicht wie brachiale Gewalt, sondern entfalten sich mit zunehmender Drehzahl zunehmend energisch – genau das macht den Reiz auf kurvigen Landstraßen aus. Der Riemenantrieb läuft kultiviert und reduziert das mechanische Gezappel, während die entspannte Sitzposition auch im Alltag funktioniert. Bei 228 Kilogramm bleibt sie beim Rangieren spürbar schwer, fährt sich dank niedrigem Schwerpunkt und breitem Lenker aber erstaunlich gelassen. Ausstattung wie TFT-Display, Traktionskontrolle, ABS und USB-Ladebuchse runden das moderne Cruiser-Konzept sinnvoll ab.
Schon in der Stadt fällt auf, dass die SRV 600 V nicht nach klassischem Cruiser-Rezept arbeitet: Beim kurzen Gasstoß klingt sie eher nach kleinem Supersportler als nach gemütlichem V-Twin. Auf der Landstraße bestätigt sich dieser Eindruck. Der Motor hängt sauber am Gas, baut seinen Punch mit steigender Drehzahl auf und lädt dazu ein, die Bremspunkte etwas später zu setzen. In engen Kurven hilft der niedrige Schwerpunkt, während die breite Bereifung satt auf dem Asphalt liegt. Das Fahrwerk arbeitet komfortabel, ohne bei zügigem Tempo schwammig zu werden; die Bremsanlage liefert gut dosierbaren Druck und ausreichend Reserven. Ihre 228 Kilogramm merkt man beim Rangieren, nicht aber permanent in Bewegung. Gegen eine Honda Rebel 500 wirkt sie charakterstärker und kräftiger, gegen die Royal Enfield Super Meteor 650 deutlich drehfreudiger. Die SRV ist kein klassischer Cruiser, sondern ein eigenwilliger Power-Cruiser mit eigenem Rhythmus.
Wer einen klassischen Cruiser mit tiefem V-Twin-Bollern sucht, wird hier überrascht – vielleicht sogar irritiert. Dafür bietet die SRV 600 V einen eigenständigen Charakter, kräftigen Durchzug bei höheren Drehzahlen und mehr Kurvenlust als erwartet. Sie ist kein Leichtgewicht, aber zugänglich und sauber kontrollierbar. Eine ungewöhnliche Alternative für Fahrer, die nicht jedem Traditionsbild folgen möchten.
Die internationalen Tests zeichnen ein erstaunlich einheitliches Bild. Autotrader lobt den ungewöhnlichen V4, die einfache Beherrschbarkeit und das starke Preis-Leistungs-Verhältnis. Visordown hebt vor allem den drehfreudigen Motor, den charaktervollen Klang und das überraschend agile Handling hervor, kritisiert aber eine etwas weiche Schaltbarkeit und fummelige Bedienelemente. Auch die CST-Reifen werden dort trotz anfänglicher Skepsis als im Trockenen und bei Nässe überzeugend beschrieben. Motoblog betont die niedrige Sitzhöhe, die kultivierte Leistungsentfaltung, die bequeme Ergonomie und die respektable Qualitätsanmutung. Als wiederkehrender Wunsch bleibt, diesen Motor in einem leichteren Naked Bike oder Sportmodell zu sehen. Insgesamt wird die SRV als eigenständige, unterhaltsame und preislich attraktive Alternative zu etablierten Mittelklasse-Cruisern eingeordnet. ([autotrader.co.uk]) Quellen: autotrader.co.uk; visordown.com; qj-motor.net. Quelle ansehen