Man spürt, dass Suzuki hier nicht einfach nostalgisch war, sondern die DR-Z-Formel in die Gegenwart ziehen wollte. Der Charakter bleibt kernig und mechanisch ehrlich, aber die Gasannahme wirkt deutlich aufgeräumter, was im Stop-and-go genauso zählt wie beim Anlegen eines sauberen Driftwinkels auf losem Untergrund. Im Kurvengeschlängel fühlt sie sich stabil an und verzeiht späte Korrekturen, solange man nicht versucht, sie wie eine Sportenduro zu prügeln. Auf schnellen Verbindungen kann die Übersetzung zum Thema werden, weil man gedanklich öfter nach dem nächsten Gang greift, als einem lieb ist. Genau dadurch wird die DR-Z4S für mich zur typischen „Alles-kann-nichts-muss“-Dual-Sport: stark, wenn Asphalt und Dreck sich abwechseln, weniger ideal, wenn Autobahnkilometer das Programm dominieren.
In der Stadt merke ich sofort, wie leicht sich die DR-Z4S zwischen Autos einfädeln lässt: schmal, aufrecht, mit einem Punch aus dem Keller, der an jeder Ampel das Grinsen triggert. Auf der Landstraße fährt sie sich überraschend „rund“ für eine Dual Sport, weil das Fahrwerk Unebenheiten nicht wegdiskutiert, sondern sauber wegfedert, und ich in Kurven früh ans Gas kann, ohne dass sie nervös wird. Im Schotter fühlt sich die Traktion angenehm kalkulierbar an; die Elektronik ist hier kein Marketing, sondern ein Werkzeug, um Grip zu managen, wenn der Untergrund wechselt. Die Bremspunkte lassen sich präzise setzen, und das Vorderrad wirkt dabei kontrollierbar, statt hektisch. Gegen eine KTM 690 Enduro R ist sie weniger brachial und weniger „Race“, wirkt dafür alltagstauglicher und weniger einschüchternd. Gegen CRF300L & Co. hat sie den erwachseneren Durchzug und die stabilere Straßen-Attitüde, bleibt aber ein Bike, das man im Dreck ohne Drama umlegen und wieder aufheben will.
Für mich ist die DR-Z4S die richtige Wahl für alle, die eine robuste Dual Sport mit modernem Feinschliff suchen, ohne gleich im Hardenduro-Lager zu landen. Sie fährt sich kontrolliert, griffig und angenehm erwachsen. Der größte Haken bleibt die Langstrecken-Übersetzung. Wer damit leben kann, bekommt ein sehr stimmiges Gesamtpaket.
In den ersten Fahrberichten wird die DR-Z4S meist als überfällige, aber nicht radikale Modernisierung der DR-Z-Idee beschrieben: neues Chassis, spürbar erwachseneres Fahrgefühl und ein Motor, der dank Einspritzung und Ride-by-Wire sauberer ans Gas geht. Motorcycle.com lobt die insgesamt stimmige Kombination aus drehmomentigem Einzylinder, gut arbeitender Federung und kräftigeren Bremsen; das Mehrgewicht gegenüber sportlichen Enduros werde im Alltag und auf Trails oft kaschiert. RevZilla hebt hervor, dass die Fahrmodi im engen Geläuf tatsächlich helfen, kritisiert aber klar die fehlende sechste Fahrstufe auf längeren Straßenetappen. MCN ordnet die DR-Z4S als „Everyman“-Trailbike zwischen leichten Einsteiger-Dual-Sports und kompromisslosen Enduros ein und bewertet Preis/Alltagstauglichkeit sowie Verarbeitung positiv, während auch dort die Getriebeabstufung als möglicher Knackpunkt auftaucht. Unterm Strich: viel Zustimmung für das Gesamtpaket, mit dem größten Streitpunkt „5-Gang auf der Straße“. Quelle ansehen