Mit der 35-kW-Ausführung richtet sich die RS 660 Factory an A2-Fahrer, ohne ihren sportlichen Charakter zu verlieren. Der 659-cm³-Zweizylinder spricht direkt an, hängt sauber am Gas und liefert genug Drehmoment, um auf der Landstraße nicht ständig nach dem nächsten Gang suchen zu müssen. Ihr eigentliches Highlight ist jedoch das Zusammenspiel aus niedrigem Gewicht, kompakter Ergonomie und hochwertiger Fahrwerksabstimmung. Beim Anbremsen bleibt sie stabil, in Wechselkurven wirkt sie leichtfüßig, und beim Herausbeschleunigen vermittelt die Elektronik Sicherheit statt Bevormundung. Mit 170 km/h Höchstgeschwindigkeit ist sie keine Autobahn-Rakete, aber auf kurvigen Strecken genau dort schnell, wo Fahrspaß entsteht. Alltag und Wochenend-Sport lassen sich ungewöhnlich gut verbinden.
Auf der kurvigen Landstraße fällt zuerst auf, wie leicht sich die Aprilia von einer sauberen Linie in die nächste werfen lässt. Die RS 660 Factory fährt nicht nervös, sondern messerscharf: ein kleiner Druck am Lenker, der Scheitelpunkt liegt, und am Kurvenausgang zieht der Zweizylinder sauber aus dem Keller. Mit 35 kW fehlt ihr natürlich der Punch der offenen Version, doch gerade dadurch bleibt sie kontrollierbar und fordert beim Herausbeschleunigen weniger Konzentration. Das Öhlins-Fahrwerk liefert viel Rückmeldung, ohne auf schlechten Straßen sofort ungemütlich zu werden. Die Sitzposition ist sportlich, aber kein Folterinstrument für den Alltag. Gegen Yamaha R7 und Kawasaki Ninja 650 wirkt die Aprilia technisch ambitionierter und agiler, während sie gegenüber einer vollwertigen Supersportlerin deutlich weniger einschüchtert. Ihre Besonderheit ist die Mischung aus A2-Tauglichkeit, echter Rennstrecken-DNA und einem Fahrgefühl, das weit über typische Einsteigerware hinausgeht.
Die Aprilia RS 660 Factory 35 kW ist eine der spannendsten A2-Supersportlerinnen für Fahrer, die mehr als nur Vernunft suchen. Sie fährt präzise, fühlt sich hochwertig an und wächst mit dem Können ihres Fahrers. Der Motor bleibt gedrosselt, das Fahrwerk jedoch vermittelt echtes Sportniveau. Wer Kurven wichtiger findet als Endgeschwindigkeit, bekommt ein sehr stimmiges Gesamtpaket.
Die internationalen Tests zeichnen ein sehr einheitliches Bild: Die RS 660 Factory gilt als besonders ausgewogene und engagierte Sportmaschine der Mittelklasse. Motorcyclist hebt die scharfe, aber nicht einschüchternde Dynamik hervor und sieht in der Kombination aus Premium-Fahrwerk, Alltagstauglichkeit und italienischem Design eine ihrer größten Stärken. Moto.it lobt vor allem die Präzision, das ausgewogene Gesamtpaket und die deutliche Wirkung der Öhlins-Komponenten auf der Rennstrecke; für reine Straßennutzung wird allerdings auch die günstigere Standardversion als ausreichend beschrieben. Motorradonline ordnet die Factory als hochwertige, sehr agile Weiterentwicklung der RS 660 ein und betont ihre sportliche Ausrichtung. Übergreifend wird die Aprilia weniger als brachiale Power-Maschine, sondern als feinfühlige Kurven-Spezialistin mit hoher Lern- und Spaßkurve wahrgenommen. Quellen: moto.it; cyclenews.com; motorcyclistonline.com. Quelle ansehen