Schon nach den ersten Kilometern wirkt das Paket erstaunlich rund: leicht, präzise und mit einem Motor, der aus Kehren richtig schön anschiebt. Im Alltag überzeugt sie mit gut dosierbarer Gasannahme und einer Ergonomie, die sportlich ist, aber nicht sofort die Handgelenke bestraft. Auf der flotten Landstraße punktet vor allem die Balance aus Stabilität und Handlichkeit, sodass man sie mit wenig Kraftaufwand von Kurve zu Kurve werfen kann. Wer gern am Kurvenausgang früh ans Gas geht, bekommt viel Traktion und ein klares Gefühl dafür, was der Reifen gerade macht. Unterm Strich ist das eine Naked, die nicht nur über Daten glänzt, sondern über Fahrgefühl.
Agilität beim Einlenken, Punch am Kurvenausgang und dieses typische Ducati-Feedback am Vorderrad: Genau so muss sich eine Monster anfühlen. Auf meiner Hausrunde fällt sofort auf, wie neutral sie in Schräglage bleibt und wie sauber sie Linie hält, selbst wenn der Asphalt wellig wird. Der Motor schiebt aus dem mittleren Drehzahlkeller kernig an, ohne dass ich ständig nach dem perfekten Gang suchen muss; das macht sie auf engen Landstraßen herrlich stressfrei. Beim Anbremsen lässt sie sich präzise setzen, die Front taucht kontrolliert ein und ich treffe meine Bremspunkte reproduzierbar, auch wenn ich mal später reinhalte. Im Markt steht sie damit sehr stimmig zwischen den aggressiveren, trackorientierten Naked Bikes und den weicheren Allroundern: weniger „Krawall“ als eine Streetfighter-Vibes-Fraktion, aber deutlich charaktervoller als viele Vierzylinder-Konkurrenten. Gegenüber dem Vorgänger wirkt das Gesamtpaket erwachsener: mehr Ruhe im Fahrwerk, mehr Vertrauen am Limit, ohne den frechen Monster-Charakter zu verlieren.
Wer eine Naked mit Charakter sucht, findet hier eine sehr stimmige Mischung aus Leichtigkeit, Druck aus der Mitte und sauberer Kontrolle beim Anbremsen. Sie fährt sich zugänglich, aber nie langweilig. Für Landstraße und Alltag ein starkes Gesamtpaket. Genau die Art Motorrad, die man nach der Runde ungern abstellt.