Optisch ist das Ding ein Streetfighter durch und durch: kompakt, aggressiv, aber mit einer klaren Linie statt wildem Kantenchaos. Der Motorcharakter passt dazu, weil er nicht nur oben raus schreit, sondern in der Praxis vor allem zwischen Kurvenausgang und nächstem Bremspunkt überzeugt. Im Alltag hilft die fein dosierbare Leistungsabgabe, gerade wenn der Asphalt nicht perfekt ist oder du in der Stadt unterwegs bist. Fahrwerksseitig fühlt sich die S-Version nach „mehr Reserve“ an, ohne dass sie dich auf schlechten Straßen durchschüttelt. Insgesamt ist das ein Motorrad für Fahrer, die sportlich fahren wollen, aber nicht jedes Mal ein Trackday-Setup im Kopf haben möchten.
Dieser breite Lenker vor dem schmalen Ducati-Tank ist der Moment, in dem das Bike „einrastet“: Du sitzt aktiv, aber nicht verkrampft, und jede kleine Handbewegung übersetzt sich sofort in Richtung. Auf meiner Hausrunde wirkt die Streetfighter V2 S wie ein Skalpell, das trotzdem Punch hat: aus mittleren Drehzahlen schiebt der V2 sauber an, ohne dieses hektische „alles oder nichts“. In schnellen Wechselkurven bleibt sie neutral, der Grip fühlt sich transparent an, und ich kann Bremspunkte spät setzen, weil die Front beim Anbremsen nicht nervös wird. Die Elektronik arbeitet eher wie ein Sicherheitsnetz im Hintergrund als wie ein Wächter am Gasgriff. Gegen KTM 890 Duke R oder Aprilia Tuono 660 Factory wirkt die Ducati weniger Rabauke, dafür hochwertiger im Gesamtpaket und mit mehr „großem“ Ducati-Feeling – ohne gleich in die Liga der ganz schweren Liter-Nakeds abzudriften.
Wer einen Streetfighter mit echter Ducati-DNA sucht, aber nicht die volle Literklasse braucht, landet hier sehr richtig. Die V2 S fährt sich präzise, hat spürbaren Punch und bleibt dabei kontrollierbar. Sie wirkt hochwertig und rund, ohne steril zu werden. Für kurvige Landstraßen ist das ein verdammt stimmiges Paket.