Unter der markanten Verkleidung steckt eine Touring-Maschine, die ihren Charakter nicht versteckt. Der große V2 liefert aus niedrigen Drehzahlen massiven Schub und schiebt die CVO mit Nachdruck aus Kurven, ohne dass man ständig im Getriebe arbeiten muss. Die Abstimmung aus Fahrmodi, Traktionskontrolle und Kurven-ABS erweitert den nutzbaren Bereich, besonders wenn der Asphalt kalt, unruhig oder feucht ist. Beim Einlenken verlangt die Street Glide wegen Masse und lenkerfester Verkleidung einen klaren Impuls, belohnt diesen aber mit stabiler Linie und viel Ruhe am Kurvenausgang. Die Bremsanlage lässt sich präzise dosieren und setzt auch bei zügiger Gangart verlässliche Bremspunkte. Auf langen Etappen überzeugen Sitzposition, Windschutz und Ausstattung, während das Fahrwerk auf schlechten Stadtstraßen etwas straff wirken kann.
Schon im Stadtverkehr zeigt die CVO Street Glide, worum es bei ihr geht: viel Motorrad, viel Präsenz und trotzdem eine erstaunlich kontrollierbare Balance. Das Gewicht verschwindet nicht, aber der tiefe Schwerpunkt, die leichtgängige Kupplung und der satte Druck des großen V2 machen Rangieren und Anfahren deutlich entspannter, als die 380 Kilogramm vermuten lassen. Auf der Landstraße fährt sie kraftvoll aus engen Kurven heraus, setzt beim Herausbeschleunigen früh Vertrauen frei und bleibt beim Anbremsen stabil. Die Batwing-Verkleidung vermittelt Schutz, bringt aber auch spürbare Lenkkräfte mit. Im Vergleich zur normalen Street Glide wirkt die CVO edler, stärker und fahrerisch kompletter; gegen BMW K 1600 B, Honda Gold Wing oder Indian Challenger fehlen ihr jedoch moderne Komfortdetails und ein noch geschmeidigeres Fahrwerk. Dafür liefert sie Charakter, Sound und dieses unverwechselbare Harley-Gefühl, das sich nicht simulieren lässt.
Die CVO Street Glide ist keine leichte Kurvenräuberin, sondern eine kraftvolle Luxus-Baggerin mit überraschend viel Dynamik. Ihr größter Pluspunkt ist die Verbindung aus V2-Punch, souveränem Fahrverhalten und außergewöhnlicher Verarbeitung. Wer Komforttechnik über alles stellt, findet bei BMW, Honda oder Indian modernere Alternativen. Wer Charakter, Sound und amerikanische Präsenz sucht, bekommt hier ein sehr eigenständiges Gesamtpaket.
Die im Netz veröffentlichten Tests zeichnen ein überwiegend positives, aber nicht unkritisches Bild. Besonders häufig gelobt werden der kräftige Milwaukee-Eight-121-Motor, die hochwertige Verarbeitung, die auffällige Lackierung und das deutlich modernere Skyline-Infotainment mit großem Touchscreen und Apple-CarPlay. Tester beschreiben die CVO trotz ihres hohen Gewichts als stabil, souverän und bei freier Strecke überraschend schnell. Gleichzeitig bleibt die Batwing-Verkleidung ein Geschmacksthema: Sie bringt guten Windschutz, macht die Lenkung aber spürbar schwerer als bei der Road Glide. Kritik gibt es außerdem am Preis, an der fehlenden adaptiven Geschwindigkeitsregelung, am nicht elektronisch verstellbaren Fahrwerk und am begrenzten Stauraum durch die Lautsprecher in den Koffern. Insgesamt gilt sie als emotional starke Luxus-Bagger mit echter Dynamik, aber nicht als rational günstigste Wahl. Quellen: 1000ps.com; autotrader.ca; revzilla.com. Quelle ansehen