Vier Zylinder in einem 399-cm³-Supersportler sind auch 2026 noch eine Ausnahmeerscheinung. Die Kawasaki Ninja ZX-4RR lebt nicht von maximalem Drehmoment, sondern von ihrer linearen Kraftentfaltung, der hohen Drehzahl und dem Gefühl, den Motor aktiv bei Laune halten zu müssen. Mit 77 PS, 39 Nm und 189 Kilogramm bleibt sie handlich genug für enge Kurven, bietet aber zugleich die Stabilität und Bremsleistung eines ernst gemeinten Sportmotorrads. Auf der Landstraße verlangt sie mehr Arbeit am Schalthebel als eine Yamaha R7 oder Aprilia RS 660, belohnt diese Mühe aber mit einem intensiveren Fahrerlebnis. Der Charakter erinnert an klassische japanische Vierzylinder-Sportler, ist jedoch deutlich zugänglicher, elektronisch moderner und im Alltag weniger einschüchternd.
Schon im Stadtverkehr zeigt die ZX-4RR, dass sie kein gewöhnliches Einstiegsmodell ist: Der Vierzylinder wirkt unterhalb der mittleren Drehzahlen beinahe höflich, doch sobald die Straße frei wird, verwandelt sich die Kawasaki in einen kleinen Hochdrehzahl-Süchtling. Auf der Landstraße zählt sauberes Herunterschalten, ein später Bremspunkt und der Mut, den Motor weit auszudrehen. Dann belohnt sie mit präzisem Einlenken, stabilem Kurvenverhalten und einem Punch, der nicht aus dem Keller, sondern aus dem oberen Drehzahlbereich kommt. Das Fahrwerk vermittelt viel Vertrauen, die Bremsen lassen sich sauber dosieren, und der Quickshifter passt perfekt zum Charakter. Gegen Yamaha R7, Aprilia RS 660 oder Honda CBR650R fehlt es an Drehmoment, Alltagssouveränität und teilweise Komfort. Dafür bietet die Kawasaki etwas, das diese Konzepte nicht liefern: echtes Supersportgefühl im kompakten Format, ohne auf der Landstraße ständig überfordert zu sein.
Die ZX-4RR ist kein Vernunftkauf, sondern eine bewusste Entscheidung für Drehzahl, Klang und aktives Fahren. Ihr Motor verlangt Engagement, das Fahrwerk belohnt präzise Linien und die Bremsen geben viel Sicherheit. Gegen drehmomentstarke Zweizylinder wirkt sie untenrum zurückhaltend, doch genau darin liegt ihr besonderer Reiz. Wer Supersport nicht nur über Leistung definiert, findet hier eine der spannendsten kleinen Maschinen überhaupt.
Die internationalen Tests zeichnen ein sehr geschlossenes Bild der ZX-4RR. Gelobt werden vor allem der einzigartige Vierzylinder, die leichtfüßige und präzise Fahrwerksabstimmung sowie der serienmäßige Quickshifter. Auf kurvigen Strecken vermittelt die Kawasaki viel Vertrauen, bleibt auch bei engagiertem Tempo gut kontrollierbar und fordert den Fahrer weniger körperlich als ein großer Supersportler. Gleichzeitig wird mehrfach darauf hingewiesen, dass der Motor erst bei hohen Drehzahlen sein eigentliches Temperament entwickelt und im unteren Bereich vergleichsweise wenig Druck bietet. Für den Alltag sehen Tester die sportliche Sitzposition und den begrenzten Soziuskomfort als Kompromisse. Im Vergleich zu Yamaha R7, Aprilia RS 660 und Honda CBR650R ist sie weniger drehmomentstark, aber deutlich eigenständiger. Die aktuelle Modellgeneration setzt diesen Charakter fort. ([motoplanete.us]) Quellen: kawasaki.com; kawasaki.com; kawasaki.com. Quelle ansehen