Mit ihrem 778-cm³-Reihenvierzylinder geht QJ Motor einen ungewöhnlichen Weg, denn in dieser Klasse dominieren längst Zweizylinder und kompakte Dreizylinder. Die 95,2 PS wirken nicht brachial, aber der Motor schiebt sauber aus mittleren Drehzahlen an und entwickelt beim Ausdrehen den charakteristischen, kultivierten Vierzylinder-Punch. Auf kurvigen Landstraßen gefällt die Kombination aus stabilem Fahrwerk, verstellbaren Marzocchi-Komponenten und präziser Brembo-Verzögerung; beim harten Umlegen im engen Geläuf fordert das Gewicht allerdings etwas Körpereinsatz. Drei Fahrmodi, Traktionskontrolle, Kurven-ABS, bidirektionaler Quickshifter, Tempomat und Reifendruckkontrolle zeigen, dass QJ nicht nur auf Rennoptik setzt. Mit 215 km/h Höchstgeschwindigkeit bleibt sie flott, ihr eigentlicher Reiz liegt jedoch im vielseitigen Charakter zwischen sportlicher Feierabendrunde und längerer Landstraßenetappe.
Der Auspuff bleibt hängen: Vier kurze Endrohre bündeln sich unter dem Heck und geben der SRK 800 RR einen Sound, der deutlich mehr Emotion verspricht als viele moderne Mittelklasse-Sportler. Beim Aufsitzen überrascht die QJ dann mit einer eher entspannten Ergonomie. Die Stummel zwingen mich nicht sofort auf die Handgelenke, während der breite Tank guten Halt beim Anbremsen bietet. In schnellen Kurven liegt sie satt, der Grip der Pirelli-Reifen ist vertrauenerweckend und die Brembos setzen den Bremspunkt sauber und kontrollierbar. Im engen Wechselspiel merkt man jedoch, dass 210 Kilogramm kein Leichtbauversprechen sind: Die Maschine braucht etwas Nachdruck, belohnt dafür mit Stabilität. Der Reihenvierzylinder liefert unten kultivierten Schub und dreht oben mit echtem Sportgefühl aus. Gegen Honda CBR650R, Kawasaki Ninja 650 oder Yamaha R7 wirkt die QJ emotionaler und besser ausgestattet, aber weniger leichtfüßig. Ihre Besonderheit ist die Mischung aus Vierzylinder-Charme, Touring-Komfort und erstaunlich erwachsener Hardware.
Die SRK 800 RR ist keine kompromisslose Rennstreckenwaffe, sondern eine sportliche Straßenmaschine mit ungewöhnlich viel Ausstattung und echtem Vierzylinder-Flair. Sie fährt stabil, bremst überzeugend und klingt charakterstark. Abzüge gibt es für das Gewicht, die nicht immer perfekte Gasannahme und die mäßige Agilität im engen Kurvengeschlängel. Wer etwas Eigenständiges sucht, bekommt hier viel Motorrad fürs Geld.
Die verfügbaren Tests zeichnen ein insgesamt positives, aber nicht unkritisches Bild. inSella beschreibt die SRK 800 RR als leicht schnell durch Kurven zu bewegen und lobt den geschmeidigen, drehmomentstarken Vierzylinder sowie die kräftige, gut dosierbare Bremse. Als Schwächen nennt der Test das vergleichsweise hohe Gewicht, spürbare Vibrationen und eine wenig aktive Sitzposition. Emoto hebt die hochwertigen Marzocchi-Federelemente und Brembo-Bremsen hervor, kritisiert aber gelegentliche Lastwechselreaktionen der elektronischen Gasannahme sowie einen in den unteren Gängen ruppigen Quickshifter. Motorradonline ordnet die Maschine als alltagstaugliche Rennoptik mit Supersport-Hintergrund ein. Bennetts sieht vor allem die umfangreiche Ausstattung und den niedrigen Preis als starke Argumente, verweist aber auf offene Fragen zu Wiederverkaufswert und Kundendienst. ([insella.it]) Quellen: qj-motor.net; qj-motor.rs; qj-motor.net. Quelle ansehen