Mit der Guerrilla 450 setzt Royal Enfield die moderne Sherpa-Plattform der Himalayan 450 in ein deutlich straßenorientierteres Konzept um. Der 452-cm³-Einzylinder verbindet 40 PS mit kräftigem Antritt und fühlt sich im mittleren Drehzahlbereich besonders wohl, wo er beim Herausbeschleunigen aus Kurven angenehm nachdrücklich zupackt. Die 172 Kilogramm machen das Motorrad handlich, ohne dass es bei höherem Tempo nervös wirkt. Im direkten Umfeld positioniert sich die Guerrilla zwischen der entspannten Triumph Speed 400 und der deutlich schärfer auftretenden KTM 390 Duke. Dazu kommen eine Höchstgeschwindigkeit von rund 160 km/h, eine praxisnahe Sitzposition und genug Reserven für Ausflüge über die Stadtgrenze hinaus. Wer kompromisslose Elektronik oder maximale Spitzenleistung sucht, findet anderswo mehr; wer Charakter und unkomplizierte Fahrbarkeit sucht, bekommt ein sehr stimmiges Gesamtpaket.
Der wuchtige Tank und die kompakte Front bleiben sofort hängen – die Guerrilla 450 sieht aus, als hätte jemand der Himalayan 450 die Wanderstiefel ausgezogen und ihr Turnschuhe angezogen. Auf der Straße fühlt sie sich genau so an: aufrecht, zugänglich und jederzeit bereit für einen spontanen Schlenker durch die nächste Kurvenkombination. Der Einzylinder liefert aus niedrigen Drehzahlen ordentlich Punch, ohne hektisch zu werden, und lässt sich sauber aus Kehren herausbeschleunigen. Beim Anbremsen bleibt die Maschine stabil, während das vergleichsweise geringe Gewicht Richtungswechsel angenehm leicht macht. Der Grip reicht für eine engagierte Gangart, auch wenn die Abstimmung eher auf Vertrauen als auf kompromisslose Sportlichkeit zielt. Gegen die Triumph Speed 400 wirkt sie kräftiger und erwachsener, gegen die KTM 390 Duke weniger aggressiv, dafür entspannter. Genau darin liegt ihre Besonderheit: Sie fährt nicht spektakulär um Aufmerksamkeit, sondern macht vom ersten Meter an Lust auf den nächsten.
Die Guerrilla 450 ist kein verkleideter Supersportler, sondern ein ehrliches Naked-Bike mit kräftigem Einzylinder, sicherem Fahrwerk und eigenständigem Auftritt. In Kurven macht sie durch ihr leichtes Handling und den satten Punch richtig Freude. Gegenüber der Himalayan 450 wirkt sie spontaner und direkter, gegenüber KTM und CFMoto weniger radikal. Für Alltag, Feierabendrunde und Wochenendtour ist sie eine der zugänglichsten Maschinen ihrer Klasse.
Die internationalen Tests zeichnen ein ungewöhnlich geschlossenes Bild. Bennetts BikeSocial lobt den drehmomentstarken Motor, das ausgewogene Fahrwerk und die Kombination aus niedriger Sitzposition und erwachsenem Fahrgefühl. Gleichzeitig wird die Guerrilla klar als Straßen-Roadster und nicht als echter Scrambler eingeordnet. ([bennetts.co.uk]) Rider Magazine hebt besonders die lineare Leistungsabgabe, die angenehme Ergonomie und die stabile Balance zwischen Stadtverkehr und kurvigen Landstraßen hervor. Die Maschine wirke spritzig, ohne nervös zu werden, und biete auch bei höherem Tempo ausreichend Reserven. ([ridermagazine.com]) Visordown beschreibt sie als zugänglich, eigenständig gestaltet und preislich attraktiv, sieht aber ebenfalls den begrenzten Windschutz und die eher einfache Fahrwerksausstattung als typische Kompromisse dieser Klasse. Quelle ansehen