Mit ihrem flüssigkeitsgekühlten Einzylinder tritt die Himalayan 450 deutlich erwachsener auf als die frühere 411er. Die 40 PS und 40 Nm reichen für ein entspanntes Reisetempo bis 160 km/h, wobei der Motor seinen Reiz weniger aus brutaler Beschleunigung als aus sauberem Antritt und guter Dosierbarkeit zieht. Im Fahrwerk steckt ihre größte Stärke: 200 Millimeter Federweg vorn und hinten, ein 21-Zoll-Vorderrad und die aufrechte Ergonomie ergeben viel Sicherheit auf schlechten Straßen und losem Untergrund. Auch die Elektronik bleibt sinnvoll statt überladen, mit TFT-Navigation, Ride-by-Wire, wählbaren Fahrmodi und abschaltbarem Hinterrad-ABS. Gegen die KTM 390 Adventure wirkt sie weniger hektisch, gegen eine Honda Transalp weniger souverän auf der Autobahn – dafür bietet sie einen besonders zugänglichen Mix aus Charakter, Komfort und echter Geländetauglichkeit.
Der runde TFT-Bildschirm wirkt wie ein kleines Bullauge im Cockpit – auffällig, aber nicht aufdringlich. Genau so fährt sich die Himalayan 450: eigenständig, übersichtlich und angenehm unkomliziert. Der neue Einzylinder liefert deutlich mehr Punch als die alte 411er, ohne nervös zu werden. Beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven muss man nicht ständig auf maximale Drehzahl gehen, dennoch bleibt genug Druck für zügige Überholmanöver und lange Anstiege. Die Sitzposition ist aktiv, der breite Lenker gibt viel Kontrolle, und die langen Federwege bügeln schlechte Straßen souverän weg. Auf losem Untergrund überzeugt die Maschine mit gutmütigem Grip, leicht kontrollierbarem Hinterrad und einer bemerkenswert neutralen Balance. Die Bremsen setzen klare Bremspunkte, ohne aggressiv zu wirken. Gegen eine KTM 390 Adventure fehlt etwas Spritzigkeit, gegen größere Reiseenduros Durchzug und Windschutz. Dafür fühlt sich die Himalayan ehrlicher, entspannter und im Gelände zugänglicher an.
Wer eine Adventure für Alltag, Wochenendtouren und Schotter sucht, findet in der Himalayan 450 einen ausgesprochen stimmigen Begleiter. Sie fährt sich berechenbar, komfortabel und im Gelände überraschend kompetent. Der Motor ist kräftig genug, ohne den Charakter der Maschine zu überdecken. Schnellfahrer und Autobahnpendler werden mehr Leistung und Windschutz vermissen. Für entspanntes Reisen mit echtem Abenteuergefühl ist sie jedoch eine der eigenständigsten Optionen ihrer Klasse.
Die internationalen Tests zeichnen ein erstaunlich geschlossenes Bild. Cycle News lobt vor allem das vorhersehbare Handling, die gute Federung und die leicht kontrollierbare, dual-sportartige Auslegung im Gelände; auf der Straße wird der Motor als ausreichend für konstantes Reisetempo beschrieben. ([cyclenews.com]) Motorcyclist hebt die gelungene Balance aus Komfort und Kurvenstabilität hervor, kritisiert aber, dass die Fahrmodi nach dem Neustart erneut gewählt werden müssen und die Navigation das Smartphone stark beanspruchen kann. ([motorcyclistonline.com]) BikeWale bewertet Sitzposition, Bedienkräfte, Federung und Bremsgefühl besonders positiv und sieht die Himalayan als überzeugenden Allrounder für Alltag, Touren und Schotter. Quellen: royalenfield.com; cyclenews.com; motorcyclistonline.com. Quelle ansehen