Nicht die maximale Gelassenheit, sondern ein Schuss Dynamik prägt den Charakter dieses Cruisers. Der 693-cm³-Zweizylinder liefert 69 PS und 68 Nm, wodurch Überholmanöver und zügige Kurvenkombinationen deutlich souveräner gelingen als bei vielen kleineren Einstiegs-Cruisern. Mit rund 200 Kilogramm bleibt die Calibro dabei handhabbar und fühlt sich beim Einlenken weniger schwer an, als ihre klassische Silhouette vermuten lässt. Die Sitzposition ist niedrig und entspannt, ohne den Fahrer vollständig vom Vorderrad zu entkoppeln. Beim harten Anbremsen fehlt es der Serienabstimmung an etwas Biss und Rückmeldung, während der Riemenantrieb angenehm kultiviert arbeitet. Die Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h reicht für Autobahn und Landstraße vollkommen aus, wobei sich die Calibro klar auf entspanntes bis zügiges Reisen konzentriert.
Die Calibro steht im Mittelklasse-Cruisersegment für alle, denen eine Honda Rebel 500 zu brav und eine Kawasaki Vulcan S zu konventionell wirkt. Sie bringt italienische Gestaltung, eine betont tiefe Sitzposition und einen kräftigen Zweizylinder zusammen, ohne sich als reine Showmaschine zu verkaufen. Beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven liefert der Motor spürbaren Punch, bleibt dabei gut kontrollierbar und passt damit besser zu engagiertem Landstraßentempo, als die entspannte Sitzhaltung vermuten lässt. Das Fahrwerk ist solide, aber kein Präzisionsinstrument: Wer spät bremst und mit viel Druck einlenkt, merkt die budgetorientierte Abstimmung. Dafür vermittelt die Calibro Vertrauen, rollt stabil und lässt sich überraschend leicht durch Wechselkurven bewegen. Gegen Rebel, Vulcan S und ähnliche Modelle setzt sie weniger auf japanische Perfektion als auf Charakter, Leistung und einen eigenständigen Auftritt.
Als 2026er Mittelklasse-Cruiser spielt die Calibro ihre Karten offen aus: viel Stil, kräftiger Motor und ein zugängliches Fahrgefühl. Sie ist keine Kurvenwaffe, überrascht aber mit mehr Dynamik, als die entspannte Optik verspricht. Wer eine charaktervolle Alternative zu Rebel und Vulcan S sucht und mit kleinen Fahrwerkskompromissen leben kann, findet hier ein eigenständiges Motorrad mit echtem Mehrwert.
Die internationalen Tests zeichnen ein überwiegend positives, aber nicht unkritisches Bild. Cycle News lobt den eigenständigen Auftritt, den kräftigen Motor und das überzeugende Preis-Leistungs-Verhältnis, bemängelt jedoch die einfache Fahrwerksausstattung und das eher zurückhaltende Ansprechverhalten der Vorderradbremse. ([cyclenews.com]) Ultimate Motorcycling beschreibt die Calibro als leichtfüßig und alltagstauglich, weist aber auf eine gewisse Kälteempfindlichkeit des Motors hin: Im kalten Zustand kann die Gasannahme bei niedrigen Drehzahlen zögerlich wirken. ([ultimatemotorcycling.com]) Auch der Schweizer Ersttest von moto.ch hebt die zugängliche Sitzposition, den charaktervollen Auftritt und die angenehme Handlichkeit hervor. Quellen: motomoriniusa.com; cyclenews.com; ridermagazine.com. Quelle ansehen