Mit 70 PS und 68 Nm besitzt die X-CAPE 700 ausreichend Reserven für Autobahn, Passstraßen und ausgedehnte Touren. Der Zweizylinder hängt sauber am Gas, wirkt im unteren Bereich jedoch eher gelassen als druckvoll und verlangt beim Überholen gelegentlich einen bewussten Griff zum Getriebe. Ihr Fahrwerk arbeitet auf schlechten Straßen souverän und hält auch auf Schotterkursen die Linie, während die 19-Zoll-Vorderradgröße für ein berechenbares Einlenkverhalten sorgt. In engen Kehren bleibt das Gewicht spürbar, dafür liegt die Maschine bei höherem Tempo satt und stabil. Die Ausstattung macht sie reisefertig, ohne in eine überladene Elektronikshow abzudriften.
Die X-CAPE 700 steht im Adventure-Segment für alltagstaugliche Eigenständigkeit: Sie richtet sich an Fahrer, die eine komfortable Reiseenduro mit Charakter suchen, aber nicht automatisch zur Yamaha Ténéré 700 oder Triumph Tiger greifen wollen. Auf der Straße fühlt sich die Morini satt, stabil und erwachsen an. In schnellen Kurven liegt sie ruhig, baut ordentlich Grip auf und vermittelt über das Fahrwerk viel Vertrauen, auch wenn sie beim Einlenken nicht die Leichtigkeit einer Ténéré erreicht. Der Zweizylinder liefert seinen Punch eher gleichmäßig als explosiv und passt damit gut zu langen Etappen, kurvigen Landstraßen und kontrolliertem Schotter. Wer häufig im Stehen fährt, merkt allerdings Gewicht und Bauhöhe deutlicher. Besonders stark sind die wertige Fahrwerksbasis, die markante Optik und das eigenständige Gesamtpaket. Gegenüber der technisch schärferen KTM oder der sportlicheren Triumph wirkt sie weniger verspielt, dafür angenehm unkompliziert und erstaunlich vielseitig.
Wer eine charaktervolle Reiseenduro für Asphalt, lange Etappen und gemäßigten Schotter sucht, findet in der X-CAPE 700 ein überzeugendes Gesamtpaket. Sie fährt stabil, komfortabel und eigenständig. Gegenüber Ténéré 700 oder KTM fehlt etwas Leichtigkeit, gegenüber der Triumph etwas Feinschliff. Dafür punktet sie mit Ausstattung, Präsenz und einem angenehm unaufgeregten Motor. Eine starke Alternative für Genießer.
Die internationalen Tests zeichnen ein überwiegend positives, aber nicht unkritisches Bild. Cycle News sieht die X-CAPE 700 als echte Alternative zu etablierten japanischen und europäischen Reiseenduros und lobt vor allem Fahrwerk, Ausstattung und das stabile Verhalten auf Straße und losem Untergrund. Gleichzeitig werden ein spürbares Loch bei niedriger Drehzahl, das hohe Gewicht, wenig Gefühl an der Vorderradbremse und die eher einfache Elektronik angesprochen. Dirt Bike Magazine hebt die solide Verarbeitung, die neutrale Ergonomie und das sichere, komfortable Verhalten auf moderaten Offroad-Passagen hervor, sieht aber Einschränkungen durch Auspuffführung und Hauptständer. Moto.it bewertet das größere Triebwerk als sinnvolle Weiterentwicklung, betont jedoch, dass sich der Charakter der Maschine stärker als die übrige Plattform verändert hat. Insgesamt gilt sie als vielseitige Reiseenduro mit überzeugendem Preis-Leistungs-Gedanken, aber ohne den technischen Feinschliff der Klassenbesten. Quelle ansehen