Motorsound
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Mit ihrem luft-ölgekühlten Boxer bleibt die BMW R 12 technisch bewusst näher an der klassischen BMW-Idee als an den hochgerüsteten Roadstern der aktuellen Generation. Der Motor liefert kräftigen Durchzug und fühlt sich im Alltag stärker an, als die 95 PS zunächst vermuten lassen. Auf schnellen Landstraßen liegt die Maschine satt, während sie in engen Kurven einen klaren, nicht hektischen Fahrstil bevorzugt. Die Bremsanlage bietet genügend Biss für späte, kontrollierte Bremspunkte, verlangt wegen des Cruiser-Konzepts aber keine permanent sportliche Gangart. Gegenüber der früheren R nineT wirkt die R 12 zugänglicher und entspannter, gegenüber Triumph Bonneville- und Harley-Davidson-Cruisern dynamischer. Ihre Höchstgeschwindigkeit von 203 km/h ist dabei eher Reserve als Reiseprogramm.
Der erste Eindruck bleibt an den weit ausgestellten Boxer-Zylindern hängen: Die BMW R 12 sieht nicht nach weichgespültem Lifestyle-Bike aus, sondern nach ehrlichem Maschinenbau mit ordentlich Metall im Blickfeld. Beim Aufsitzen passt die niedrige Ergonomie sofort, der breite Lenker gibt Kontrolle, ohne den Cruiser-Charakter zu zerstören. Der Boxer schiebt aus niedrigen Drehzahlen kräftig an, läuft kultiviert und liefert genau diesen mechanischen Punch, den man auf kurvigen Landstraßen ständig abrufen möchte. In engen Kehren verlangt die R 12 wegen ihres Gewichts und der entspannten Geometrie einen sauberen Bremspunkt, bleibt dann aber stabil und berechenbar. Gegen eine Triumph Bonneville Speedmaster wirkt sie souveräner und technischer, gegen eine R 12 nineT weniger sportlich, dafür lässiger. Ihr Reiz liegt nicht in maximaler Schräglage, sondern in Rhythmus, Sound und dem Gefühl, jeden Kilometer bewusst zu fahren.
Charakter statt Show: Die BMW R 12 verbindet klassischen Boxer-Flair mit überraschend kräftigem Durchzug und sicherem, stabilem Fahrverhalten. Sie ist kein Kurvenmesser, aber auf der Landstraße äußerst unterhaltsam. Wer entspanntes Cruisen mit echter technischer Substanz sucht, findet hier eine eigenständige Alternative zur Triumph Bonneville Speedmaster. Der Preis für den Stil ist ein gewisses Gewicht und weniger Agilität als bei der R 12 nineT.
Die verfügbaren Tests zeichnen ein erstaunlich geschlossenes Bild. MOTORRAD beschreibt die R 12 als Mischung aus Roadster und Cruiser und hebt den präsenten Boxer, die entspannte Sitzposition sowie den charaktervollen, aber nicht übertrieben lauten Auspuff hervor. Motorradtest.de lobt den kräftigen Durchzug trotz nominell moderater Leistung und bescheinigt dem Fahrwerk hohe Stabilität, sieht die wuchtigen Reifen aber nicht als Einladung zum aggressiven Kurvenräubern. RevZilla ordnet die R 12 ähnlich ein: Sie ist kein kompromissloser Sportler, sondern ein Motorrad für entspanntes Fahren mit ausreichend Reserven und eigenständigem Stil. Als wiederkehrende Kritikpunkte erscheinen der nicht ganz geringe Kraftaufwand beim Rangieren, begrenzte Schräglagenfreiheit und der Aufpreis vieler Ausstattungsoptionen. Insgesamt wird sie vor allem für Fahrer empfohlen, die Charakter höher gewichten als maximale Vielseitigkeit. Quellen: press.bmwgroup.com; bmwmotorcycles.com; bmw-motorrad.it. Quelle ansehen